Was ist der Kinder- und Jugendbericht?
„Der 17. Kinder- und Jugendbericht ist ein Gesamtbericht, der […] die aktuelle Lage junger Menschen in Deutschland beschreiben und analysieren und dabei auch ihre Bedürfnisse, Interessen und Wünsche sichtbar machen soll“ (BMFSFJ 2024, S. 39). Ein neuer Kinder- und Jugendbericht wird alle vier Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlicht.

Hintergrund
Im Rahmen des Bachelor-Seminars Der 17. Kinder- und Jugendbericht an der Universität Hildesheim hatten wir die Aufgabe, ein praxisorientiertes Projekt zu einem Thema, welches im 17. Kinder- und Jugendbericht aufgegriffen wird, zu planen und durchzuführen. Drei Kommilitoninnen und ich entschieden uns dazu, gemeinsam ein Projekt in einer Wohngruppe durchzuführen. Schnell waren wir uns einig, dass wir uns mit dem Thema Digitalität und Medienkonsum bei Jugendlichen beschäftigen möchten, weil dieses Thema pädagogisch relevant ist und wir es als wichtig empfanden, der Thematik Aufmerksamkeit zu schenken. Unseren vorherigen Beobachtungen zufolge scheint der Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen nämlich immer weiter zu steigen – und dem wollten wir auf den Grund gehen. Entschieden haben wir uns konkret für das Thema „Digitalität bei Mädchen und Jungen im Jugendalter“.
Unsere Planung
Im ersten Schritt überlegten wir, wo wir das Projekt überhaupt durchführen könnten. Wichtig dabei war es uns, mit Jugendlichen direkt ins Gespräch zu kommen, weshalb wir uns entschieden, in einer Wohngruppe anzufragen. Die Möglichkeit, in dem Rahmen auch etwas über die Perspektiven und Eindrücke der Mitarbeitenden zu erfahren, bestärkte uns zusätzlich darin, das Projekt in einer Wohngruppe durchzuführen.
Nachdem wir die Zusage der Wohngruppe erhielten, sind wir in die Planung des Projekts gegangen. Wir hatten vor, mit den Jugendlichen und Mitarbeitenden zum Thema ins Gespräch zu kommen. Die Idee, im Gespräch mit den Jugendlichen und Mitarbeitenden Daten teilweise digitalgestützt zu erheben, erschien uns aufgrund des Themas passend. Wir entwickelten Fragen sowohl an die Jugendlichen als auch an die Mitarbeitenden. Für eine Frage nutzen wir daher das Onlineprogramm „Menti“. Die Ergebnisse werden mit diesem Programm visualisiert.
Unsere zentralen Fragen lauteten wie folgt:
Fragen an die Jugendlichen:
- Wie lange ungefähr nutzt ihr digitale Medien am Tag?
- Welche Endgeräte nutzt ihr am meisten?
- Was nutzt ihr (z.B. welche Apps)? → Menti-Abfrage
- Welche Inhalte schaut ihr euch dort an?
- Konsumiert ihr Bildungsinhalte? Wenn ja, welche, wofür und wie viel? Falls nicht, warum nicht?
- Wie ist die Nutzung digitaler Medien in die Wohngruppe eingebunden (werden digitale Medien z.B. auch gemeinsam genutzt)?
- Was wünscht ihr euch im Umgang mit digitalen Medien in der Wohngruppe?
Fragen an die Mitarbeitenden:
- Hat sich das Nutzungsverhalten von Jugendlichen in den letzten (10) Jahren gewandelt?
- Wie lange nutzen die Jugendlichen die Medien im Verhältnis zu anderen Aktivitäten (und im Gegensatz zu Jugendlichen außerhalb der Wohngruppe)?
- Hat das Verhalten der Jugendlichen mit digitalen Medien positive oder negative Auswirkungen?
- Welche Effekte haben diese Auswirkungen auf euch? Wie arbeitet ihr damit?
- Wie geht ihr in der Wohngruppe mit dem Thema Digitalität um?
- Reflexion über digitale Bildungsinhalte: Beobachtet ihr, dass die Jugendlichen sich digital bilden bzw. ermutigt ihr sie dazu?
Unterschiede im Nutzungsverhalten zwischen Mädchen und Jungen
Erfahren wollten wir auch, wie sich das Nutzungsverhalten von digitalen Medien zwischen Mädchen und Jungen unterscheidet. Deshalb haben wir auch hier die Jugendlichen und Mitarbeitenden zu ihren Einschätzungen befragt. In diesem Blogbeitrag stelle ich vor allem die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Mediennutzung vor.
Grundlage für das Projekt waren zwei Thesen, die ich aufgestellt habe und die auch in der Literatur zur Mediennutzung von Jugendlichen belegt sind. Die Thesen lauteten wie folgt:
These 1: Jungen verbringen in ihrer Freizeit mehr Zeit mit digitalen Medien als Mädchen.
These 2: Mädchen verbringen mehr Medienzeit mit sozialen Medien wie TikTok, Instagram usw., während Jungen mehr Medienzeit mit Videospielen und Gaming-Videos (z.B. auf YouTube) verbringen.
Verweis auf die Blogbeiträge meiner Kommilitoninnen
Falls euch ein weiterer Blogbeitrag zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden im Medienkonsum interessiert, lest euch gerne den Blogbeitrag von Charlotte Kersten durch. Sandy Heller und Sophie Mainka thematisierten in ihrem Blogbeitrag insbesondere die Position der Mitarbeitenden der Wohngruppe. Falls euch das interessiert, lest euch gerne auch diesen Blogbeitrag durch.
Die Durchführung des Projekts

Am 03. Juli 2025 fuhren wir gemeinsam mit dem Auto zu der Wohngruppe. Wir brachten leckere Snacks wie Gummibärchen, Kekse und Salzstangen mit, um eine lockere Atmosphäre zu schaffen. Wir konnten das Projekt vor Ort mit vier Jugendlichen (zwei Mädchen und zwei Jungen) sowie mit drei Mitarbeitenden durchführen. Zuerst kamen wir mit den Jugendlichen ins Gespräch. Bevor wir mit den eigentlichen Fragen starteten, machten wir eine kleine Vorstellungsrunde und eine erste Menti-Umfrage zu „Was fällt euch ein, wenn ihr an digitale Medien denkt?“. Danach stiegen wir mit den Fragen ein und konnten in einem lockeren Gespräch Antworten auf unsere Fragen sammeln.
Danach führten wir ein interessantes Gespräch mit drei Mitarbeitenden der Wohngruppe, die uns unsere Fragen sehr ausführlich beantworteten und ihre (Berufs-)Erfahrungen mit uns teilten.
Ergebnisse der Jugendlichen
Das waren die Stichworte der Jugendlichen auf die Frage „Was fällt euch ein, wenn ihr an digitale Medien denkt?“.

Bei der Frage, welche Medien genutzt werden, gaben alle WhatsApp und TikTok an. Auch YouTube, Instagram, Spotify, Mobile Games und Duolingo werden häufig genutzt. Sonstige Lernapps, Facebook oder Mediatheken vom ARD oder ZDF werden hingegen von den Jugendlichen gar nicht genutzt.
Im Folgenden fasse ich die Antworten auf die anderen Fragen zusammen:
- Die tägliche Bildschirmzeit der Jugendlichen liegt zwischen 8 und 15 Stunden.
- Genutzt werden das Smartphone, das IPad und der PC.
- Bildungsinhalte werden nur begrenzt konsumiert und beschränken sich auf die App Duolingo (Sprachen lernen), Dokumentationen (vor allem True Crime) sowie Podcasts über alltägliches Wissen. Die Jugendlichen gaben an, keine Lust zu haben, sich außerhalb der Schule mit „solchen Themen“ zu beschäftigen; wenn sie etwas wissen möchten, würden sie einfach schnell googlen oder ChatGPT fragen.
- In der Wohngruppe werden digitale Medien auch zusammen genutzt, z.B. wenn gemeinsam eine Serie geschaut wird.
- In der Wohngruppe sind die Nutzungsregeln digitaler Medien der Jugendlichen individuell.
- Die Jugendlichen nehmen eine Ablenkung vom Unterricht durch die Einbindung digitaler Medien und Endgeräte in der Schule wahr.
- Die Jugendlichen nehmen eine Zunahme von Mobbing wahr, was durch digitale Medien gestützt wird.
- Die Jugendlichen vermuten, sie seien weniger medienbezogen als Jugendliche, die in ihren Familien leben, weil es in Familien oftmals gar keine Medienregeln gäbe.
Geschlechtsspezifische Unterschiede und Bezug zu meinen Thesen
Sowohl die Jugendlichen als auch die Mitarbeitenden konnten bestätigen, dass sich die Inhalte digitaler Medien zwischen Mädchen und Jungen unterscheiden. Jungen scheinen mehr Zeit am PC zu verbringen, während Mädchen digitale Medien eher über das Smartphone konsumieren. Jungen nutzen weniger Social Media als Mädchen und spielen stattdessen mehr Video- und Onlinespiele als die Mädchen. Gaming-Videos werden ebenso mehr von den Jungen konsumiert. Auch Video-Streaming-Dienste werden von Jungen häufiger genutzt. Lediglich TikTok scheint von beiden Geschlechtern ähnlich viel verwendet zu werden.
Die Annahme, Jungen würden in ihrer Freizeit mehr digitale Medien konsumieren als Mädchen, konnte nicht bestätigt werden. Die Jugendlichen und Mitarbeitenden gehen davon aus, dass die Nutzungszeit nicht vom Geschlecht abhängt und Mädchen und Jungen demnach vergleichbare Medienzeiten aufzeigen.
Somit konnte ich im Rahmen des Projekts meine erste These nicht bestätigen, mit meiner zweiten These konnte ich jedoch auf Übereinstimmungen treffen.
Fazit des Projekts
Im 17. KJB konnte ich keine Informationen zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden im Medienverhalten finden. Stattdessen habe ich wissenschaftliche Informationen aus Studien durch andere Quellen bezogen. Das Projekt war für mich persönlich eine interessante Erfahrung. Ich konnte neben dem spezifischen neuen Wissen zur Mediennutzung bei Jugendlichen auch einen kleinen Einblick in das Leben in einer Wohngruppe gewinnen. Die Gespräche empfand ich als sehr angenehm. In diesem Sinne noch einmal ein großes Dankeschön an die Wohngruppe, dass wir das Projekt dort durchführen durften!
Literatur
BMBFSFJ (2025): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Verfügbar unter: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmfsj/service/publikationen/17-kinder-und.jugendbericht-244628 [Zuletzt abgerufen am: 30.09.2025].
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (2023): JIM-Studie 2024. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart,https://mpfs.de/app/uploads/2024/10/JIM_2023_web_final_kor.pdf (Abfrage: 07.07.2026).
Bildquelle
Abbildung 1: BMBFSFJ (2025): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Verfügbar unter: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmfsj/service/publikationen/17-kinder-und.jugendbericht-244628 [Zuletzt abgerufen am: 30.09.2025].
