Schlagwort: Mediennutzung Jugendlicher

  • Digitalität als Hauptbeschäftigung von Jugendlichen – stimmt das?

    Digitalität als Hauptbeschäftigung von Jugendlichen – stimmt das?

    Sophie Mainka und Sandy Heller

    Digitale Medien werden von uns im Alltag immer häufiger genutzt, nicht nur im Privaten, sondern auch in der Schule, in der Universität oder im Beruf. Und auch Kinder und vor allem Jugendliche nutzen diese Medien immer häufiger und länger, sodass auch im 17. Kinder- und Jugendbericht (BMFSFJ 2024) das Thema aufgegriffen wurde. Aber kann überhaupt davon geredet werden, dass die Digitalität heutzutage eine der Hauptbeschäftigungen von Jugendlichen ist?

    Was ist der 17. Kinder und Jugendbericht?

    Nach dem §84 SGB VIII muss die Bundesregierung dem Bundestag sowie dem Bundesrat in jeder Legislaturperiode, also alle vier Jahre, einen Kinder und Jugendbericht vorlegen und darauf Stellung beziehen (BMFSFJ 2024). Der Bericht wird durch eine unabhängige Sachverständigenkommission erarbeitet (ebd.). Der 17. Kinder und Jugendbericht ist ein Gesamtbericht, welcher weiträumig die Lage der jungen Generation in Bezug auf die Situation der Kinder und Jugendhilfe darstellt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Einbezug von möglichst vielen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen (ebd.).

    Digitalität im Kinder- und Jugendbericht

    Der 17. Kinder- und Jugendbericht (BMFSFJ 2024) beschäftigt sich mit vielen Fragen rund um die Digitalisierung, beispielsweise mit den Themen „Jungsein in einer digitalisierten Welt und mediatisierten Umwelten“ (ebd., S. 275 ff.) und „Digitalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe“ (ebd., S. 355 ff.) Besonders in dem erstgenannten Kapitel wird dargestellt, dass viele Aktivitäten – wie die Alltagsorganisation, Freizeitgestaltung, geschlechtliche und sexuelle Identitätsfindung sowie die berufliche Orientierung – immer mehr im digitalen Raum stattfinden (vgl. ebd.). Das Leben ohne die Digitale Welt ist für Kinder und Jugendliche unvorstellbar. Daher muss sich mehr mit den Risiken des Aufwachsens in der digitalen Welt beschäftigt werden (vgl. ebd., S. 355). Auch zeigt der 17. Kinder- und Jugendbericht auf, dass ebenfalls in der Kinder- und Jugendhilfe die Digitalisierung einen großen Fortschritt mit sich bringt. Zum einen können nun Hilfeleistungen auch hybrid angeboten werden, was eine deutliche Barrierefreiheit schafft (vgl. ebd.). Zum anderen ergeben sich durch die Digitalisierung auch neue soziale Probleme, welche durch die digitale Lebenswelt entstehen. Diese muss ebenfalls die Kinder- und Jugendhilfe mit aufgreifen (vgl. ebd., S. 356).

    Digitalität in der heutigen Gesellschaft in Deutschland

    Nicht nur in der Politik gibt es ein großes Interesse an der Digitalität, auch in der gesamten Gesellschaft ist dies ein großes Thema. Mittlerweile gibt es nur noch vereinzelt Lebensbereiche, in denen es keinen Wandel und Weiterentwicklung durch die Digitalisierung gegeben hat (vgl. vbw 2017, S. 71). Die Nutzung vom Internet oder von mobilen Endgeräten ist in den letzten Jahren in allen Altersstufen angestiegen, sodass im Jahre 2023 etwa 68 Millionen Bürger*innen in Deutschland ab 14 Jahren ein Smartphone nutzten, die Tendenz ist dabei für die nächsten Jahre steigend (vgl. Statista 2024).

    In Deutschland kommen nicht nur Erwachsene fast durchgehend in den Kontakt mit der Digitalität, sondern auch Kinder und Jugendliche. Diese verwenden auch in der Schule digitale Medien, da mit diesen der Unterricht unterstützt oder geführt wird (vgl. vbw 2017, S. 77). Wichtig dabei ist, dass nicht nur den Schüler*innen ein verantwortungsvoller Umgang mit den Medien beigebracht wird, sondern dass auch Lehrkräfte geschult werden, wie verschiedene Technologien genutzt werden können und wie sie geschickt mit verschiedenen pädagogischen und didaktischen Aufgaben verbunden werden können (vgl. ebd., S. 78).

    Weshalb nun ein Projekt dazu?

    Im Rahmen des Seminars „Der 17. Kinder und Jugendbericht“ an der Universität Hildesheim im BA Erziehungswissenschaft haben wir uns mit dem Thema Digitalität in der Wohngruppe beschäftigt. Dabei verfolgten wir das Ziel zu erfahren, wie Jugendliche digitale Medien im Bildungskontext, vor allem in Situationen außerhalb von Bildungseinrichtungen oder dazugehörigen Aufgaben, nutzen. Bei der Zielgruppe handelte es sich um Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, welche in einer Wohngruppe leben. Hierzu besuchten wir eine Wohngruppe und kamen mit den Bewohner*innen zu verschiedenem Fragen rund um die Bildschirmzeit ins Gespräch: Welche sozialen Medien werden genutzt, welche Bildungsinhalte angesehen und welche Endgeräte genutzt? Gibt es Einschränkungen bei der Nutzung in der Wohngruppe. Zudem kamen wir auch mit pädagogischen Fachkräften ins Gespräch. Beispielsweise fragten wir sie, wie sich das Nutzungsverhalten verändert hat und ob die Digitalisierung sowohl positive als auch negative Auswirkungen mit sich bringt.

    Was ist eine Wohngruppe?

    Wenn von einer Einrichtung gesprochen wird, bei der Kinder und Jugendliche außerhalb ihrer Familien wohnen, also Tag und Nacht verbringen, sprechen viele Menschen von Heimen. So steht es auch im SGB VIII. Allerdings ist dieser Begriff nicht sonderlich wertschätzend gegenüber den Kindern und Jugendlichen, sodass hier der Begriff Wohngruppe genutzt wird. Das Konzept ist in den Hilfen zur Erziehung (§27 SGB VIII) zu verorten, sodass in Wohngruppen Kinder und Jugendliche wohnen, „wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist“ (ebd.). Außerdem ist das allgemeine Ziel bei der Unterbringung in einer Wohngruppe, dass die Betroffenen in ihre Familien zurückkehren können, die Erziehung in einer anderen Familie vorbereitet wird oder das für längere Zeit in der Wohngruppe gelebt wird. Es soll auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden, wobei bei Jugendlichen auch ein Fokus auf der Unterstützung bei Fragen der Ausbildung, Beschäftigung und allgemeinen Fragen der Lebensführung liegt (vgl. §34 SGB VIII).

    Meinungen der Fachkräfte: Wie hat sich das Nutzungsverhalten in den letzten Jahren verändert?

    Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass es nach Meinung der befragten Fachkräfte in den letzten Jahren einen deutlichen Wandel im Nutzungsverhalten der Jugendlichen mit digitalen Medien gegeben hat. So sei vor etwa fünf Jahren in der Wohngruppe die Nutzung von Smartphones noch kein großes Thema gewesen, denn häufig haben nicht viele der Jugendlichen ein Smartphone besessen. Durch den Besitz eines Smartphones, der zum Teil auch erzwungen wird durch die Nutzung von digitalen Angeboten, wie beispielsweise dem Deutschlandticket, komme es auch dazu, dass der allgemeine Medienkonsum und damit auch die Nutzung stark zunimmt. Vor allem haben die Fachkräfte beobachtet, dass heutzutage insbesondere Shorts, Reels und die App TikTok konsumiert werden. Somit komme es auch zu einer extremen Gefahr durch die Kurzlebigkeit, „die vielleicht auch nicht jede Fachkraft oder Einrichtung präsent vor Augen habe“.

    Allgemein gelte, dass es immer weniger Interesse an Angeboten gibt, die nicht digital stattfinden. So müssen die Fachkräfte immer wieder neue Angebote schaffen, die zum Teil mit den digitalen Medien mithalten können. Allerdings gestalte sich dies als schwierig, denn bei vielen Jugendlichen liege mittlerweile eine „Hyperfixierung“ vor, was sich auch im Vergleich zwischen der Nutzung von digitalen Medien und anderweitigen Angeboten widerspiegelt, denn dort würde das Verhältnis bei 80 zu 20 liegen.

    Ist die Digitalität wirklich die Hauptbeschäftigung geworden?

    Es lässt sich ganz klar sagen, dass aus Perspektive der befragten Fachkräfte die Nutzung von digitalen Medien die Hauptbeschäftigung von Jugendlichen ist. Selten werden noch Angebote angenommen, bei denen die Digitalität überhaupt keine Rolle spielt, was auch die Fachkräfte vor große Schwierigkeiten stellt.

    Schlussfolgerungen

    Wichtig aus unserer Perspektive ist, dass sowohl im schulischen als auch im außerschulischen Rahmen die Kinder und Jugendlichen über mögliche Gefahren aufgeklärt werden und der Umgang mit Medien erklärt und angeleitet wird. Wie das geschieht, muss in jedem Bereich gut ausgearbeitet werden. Die Politik sowie die Gesellschaft sollten unserer Meinung nach ein Hauptaugenmerk darauf legen, denn wenn jetzt nicht aufgepasst und gehandelt wird, könnte das schwerwiegende Folgen. Für uns pädagogische Fachkräfte kann das bedeuten, für die Kinder und Jugendlichen als Vorbilder voranzugehen, indem wir unser eigenes Verhalten und den Umgang mit digitalen Medien kritisch überdenken, reflektieren und gegebenenfalls anpassen.

    Literatur

    BMBFSFJ (2024): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Verfügbar unter: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmfsj/service/publikationen/17-kinder-und.jugendbericht-244628 (Abfrage: 30.09.2025).

    Statista (2024): Anzahl der Smartphone-Nutzer*innen Deutschland in den Jahren 2009 bis 2023 und Prognose bis 2030 (in Millionen). Statista. Statista GmbH. Zugriff: 30. Juli 2025. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/198959/umfrage/anzahl-der- smartphonenutzer-in-deutschland-seit-2010/ (Abfrage: 30.09.2025).

    Vbw – Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft e.V. (Hrsg.) (2017): Bildung 2030 – veränderte Welt. Fragen an die Bildungspolitik. Gutachten. Aktionsrat Bildung. Münster: Waxmann.

  • Digitalität bei Mädchen und Jungen im Jugendalter – Gespräch in  einer Jugendwohngruppe

    Digitalität bei Mädchen und Jungen im Jugendalter – Gespräch in  einer Jugendwohngruppe

    Kiara Schulz

    Was ist der Kinder- und Jugendbericht?

    „Der 17. Kinder- und Jugendbericht ist ein Gesamtbericht, der […] die aktuelle Lage junger Menschen in Deutschland beschreiben und analysieren und dabei auch ihre Bedürfnisse, Interessen und Wünsche sichtbar machen soll“ (BMFSFJ 2024, S. 39). Ein neuer Kinder- und Jugendbericht wird alle vier Jahre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlicht.

    Hintergrund

    Im Rahmen des Bachelor-Seminars Der 17. Kinder- und Jugendbericht an der Universität Hildesheim hatten wir die Aufgabe, ein praxisorientiertes Projekt zu einem Thema, welches im 17. Kinder- und Jugendbericht aufgegriffen wird, zu planen und durchzuführen. Drei Kommilitoninnen und ich entschieden uns dazu, gemeinsam ein Projekt in einer Wohngruppe durchzuführen. Schnell waren wir uns einig, dass wir uns mit dem Thema Digitalität und Medienkonsum bei Jugendlichen beschäftigen möchten, weil dieses Thema pädagogisch relevant ist und wir es als wichtig empfanden, der Thematik Aufmerksamkeit zu schenken. Unseren vorherigen Beobachtungen zufolge scheint der Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen nämlich immer weiter zu steigen – und dem wollten wir auf den Grund gehen. Entschieden haben wir uns konkret für das Thema „Digitalität bei Mädchen und Jungen im Jugendalter“.

    Unsere Planung

    Im ersten Schritt überlegten wir, wo wir das Projekt überhaupt durchführen könnten. Wichtig dabei war es uns, mit Jugendlichen direkt ins Gespräch zu kommen, weshalb wir uns entschieden, in einer Wohngruppe anzufragen. Die Möglichkeit, in dem Rahmen auch etwas über die Perspektiven und Eindrücke der Mitarbeitenden zu erfahren, bestärkte uns zusätzlich darin, das Projekt in einer Wohngruppe durchzuführen.

    Nachdem wir die Zusage der Wohngruppe erhielten, sind wir in die Planung des Projekts gegangen. Wir hatten vor, mit den Jugendlichen und Mitarbeitenden zum Thema ins Gespräch zu kommen. Die Idee, im Gespräch mit den Jugendlichen und Mitarbeitenden Daten teilweise digitalgestützt zu erheben, erschien uns aufgrund des Themas passend. Wir entwickelten Fragen sowohl an die Jugendlichen als auch an die Mitarbeitenden. Für eine Frage nutzen wir daher das Onlineprogramm „Menti“. Die Ergebnisse werden mit diesem Programm visualisiert.

    Unsere zentralen Fragen lauteten wie folgt:

    Fragen an die Jugendlichen:                                   

    • Wie lange ungefähr nutzt ihr digitale Medien am Tag?
    • Welche Endgeräte nutzt ihr am meisten?
    • Was nutzt ihr (z.B. welche Apps)? → Menti-Abfrage
    • Welche Inhalte schaut ihr euch dort an?
    • Konsumiert ihr Bildungsinhalte? Wenn ja, welche, wofür und wie viel? Falls nicht, warum nicht?
    • Wie ist die Nutzung digitaler Medien in die Wohngruppe eingebunden (werden digitale Medien z.B. auch gemeinsam genutzt)?
    • Was wünscht ihr euch im Umgang mit digitalen Medien in der Wohngruppe?

    Fragen an die Mitarbeitenden:                            

    • Hat sich das Nutzungsverhalten von Jugendlichen in den letzten (10) Jahren gewandelt?
    • Wie lange nutzen die Jugendlichen die Medien im Verhältnis zu anderen Aktivitäten (und im Gegensatz zu Jugendlichen außerhalb der Wohngruppe)?
    • Hat das Verhalten der Jugendlichen mit digitalen Medien positive oder negative Auswirkungen?
    • Welche Effekte haben diese Auswirkungen auf euch? Wie arbeitet ihr damit?
    • Wie geht ihr in der Wohngruppe mit dem Thema Digitalität um?
    • Reflexion über digitale Bildungsinhalte: Beobachtet ihr, dass die Jugendlichen sich digital bilden bzw. ermutigt ihr sie dazu?

    Unterschiede im Nutzungsverhalten zwischen Mädchen und Jungen

    Erfahren wollten wir auch, wie sich das Nutzungsverhalten von digitalen Medien zwischen Mädchen und Jungen unterscheidet. Deshalb haben wir auch hier die Jugendlichen und Mitarbeitenden zu ihren Einschätzungen befragt. In diesem Blogbeitrag stelle ich vor allem die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Mediennutzung vor.

    Grundlage für das Projekt waren zwei Thesen, die ich aufgestellt habe und die auch in der Literatur zur Mediennutzung von Jugendlichen belegt sind. Die Thesen lauteten wie folgt:

    These 1: Jungen verbringen in ihrer Freizeit mehr Zeit mit digitalen Medien als Mädchen.

    These 2: Mädchen verbringen mehr Medienzeit mit sozialen Medien wie TikTok, Instagram usw., während Jungen mehr Medienzeit mit Videospielen und Gaming-Videos (z.B. auf YouTube) verbringen.


    Verweis auf die Blogbeiträge meiner Kommilitoninnen

    Falls euch ein weiterer Blogbeitrag zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden im Medienkonsum interessiert, lest euch gerne den Blogbeitrag von Charlotte Kersten durch. Sandy Heller und Sophie Mainka thematisierten in ihrem Blogbeitrag insbesondere die Position der Mitarbeitenden der Wohngruppe. Falls euch das interessiert, lest euch gerne auch diesen Blogbeitrag durch.


    Die Durchführung des Projekts

    Foto: privat

    Am 03. Juli 2025 fuhren wir gemeinsam mit dem Auto zu der Wohngruppe. Wir brachten leckere Snacks wie Gummibärchen, Kekse und Salzstangen mit, um eine lockere Atmosphäre zu schaffen. Wir konnten das Projekt vor Ort mit vier Jugendlichen (zwei Mädchen und zwei Jungen) sowie mit drei Mitarbeitenden durchführen. Zuerst kamen wir mit den Jugendlichen ins Gespräch. Bevor wir mit den eigentlichen Fragen starteten, machten wir eine kleine Vorstellungsrunde und eine erste Menti-Umfrage zu „Was fällt euch ein, wenn ihr an digitale Medien denkt?“. Danach stiegen wir mit den Fragen ein und konnten in einem lockeren Gespräch Antworten auf unsere Fragen sammeln.

    Danach führten wir ein interessantes Gespräch mit drei Mitarbeitenden der Wohngruppe, die uns unsere Fragen sehr ausführlich beantworteten und ihre (Berufs-)Erfahrungen mit uns teilten.

    Ergebnisse der Jugendlichen

    Das waren die Stichworte der Jugendlichen auf die Frage „Was fällt euch ein, wenn ihr an digitale Medien denkt?“.

    Bei der Frage, welche Medien genutzt werden, gaben alle WhatsApp und TikTok an. Auch YouTube, Instagram, Spotify, Mobile Games und Duolingo werden häufig genutzt. Sonstige Lernapps, Facebook oder Mediatheken vom ARD oder ZDF werden hingegen von den Jugendlichen gar nicht genutzt.

    Im Folgenden fasse ich die Antworten auf die anderen Fragen zusammen:

    • Die tägliche Bildschirmzeit der Jugendlichen liegt zwischen 8 und 15 Stunden.
    • Genutzt werden das Smartphone, das IPad und der PC.
    • Bildungsinhalte werden nur begrenzt konsumiert und beschränken sich auf die App Duolingo (Sprachen lernen), Dokumentationen (vor allem True Crime) sowie Podcasts über alltägliches Wissen. Die Jugendlichen gaben an, keine Lust zu haben, sich außerhalb der Schule mit „solchen Themen“ zu beschäftigen; wenn sie etwas wissen möchten, würden sie einfach schnell googlen oder ChatGPT fragen.
    • In der Wohngruppe werden digitale Medien auch zusammen genutzt, z.B. wenn gemeinsam eine Serie geschaut wird.
    • In der Wohngruppe sind die Nutzungsregeln digitaler Medien der Jugendlichen individuell.
    • Die Jugendlichen nehmen eine Ablenkung vom Unterricht durch die Einbindung digitaler Medien und Endgeräte in der Schule wahr.
    • Die Jugendlichen nehmen eine Zunahme von Mobbing wahr, was durch digitale Medien gestützt wird.
    • Die Jugendlichen vermuten, sie seien weniger medienbezogen als Jugendliche, die in ihren Familien leben, weil es in Familien oftmals gar keine Medienregeln gäbe.

    Geschlechtsspezifische Unterschiede und Bezug zu meinen Thesen

    Sowohl die Jugendlichen als auch die Mitarbeitenden konnten bestätigen, dass sich die Inhalte digitaler Medien zwischen Mädchen und Jungen unterscheiden. Jungen scheinen mehr Zeit am PC zu verbringen, während Mädchen digitale Medien eher über das Smartphone konsumieren. Jungen nutzen weniger Social Media als Mädchen und spielen stattdessen mehr Video- und Onlinespiele als die Mädchen. Gaming-Videos werden ebenso mehr von den Jungen konsumiert. Auch Video-Streaming-Dienste werden von Jungen häufiger genutzt. Lediglich TikTok scheint von beiden Geschlechtern ähnlich viel verwendet zu werden.

    Die Annahme, Jungen würden in ihrer Freizeit mehr digitale Medien konsumieren als Mädchen, konnte nicht bestätigt werden. Die Jugendlichen und Mitarbeitenden gehen davon aus, dass die Nutzungszeit nicht vom Geschlecht abhängt und Mädchen und Jungen demnach vergleichbare Medienzeiten aufzeigen.

    Somit konnte ich im Rahmen des Projekts meine erste These nicht bestätigen, mit meiner zweiten These konnte ich jedoch auf Übereinstimmungen treffen.

    Fazit des Projekts

    Im 17. KJB konnte ich keine Informationen zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden im Medienverhalten finden. Stattdessen habe ich wissenschaftliche Informationen aus Studien durch andere Quellen bezogen. Das Projekt war für mich persönlich eine interessante Erfahrung. Ich konnte neben dem spezifischen neuen Wissen zur Mediennutzung bei Jugendlichen auch einen kleinen Einblick in das Leben in einer Wohngruppe gewinnen. Die Gespräche empfand ich als sehr angenehm. In diesem Sinne noch einmal ein großes Dankeschön an die Wohngruppe, dass wir das Projekt dort durchführen durften!

    Literatur

    BMBFSFJ (2025): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Verfügbar unter: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmfsj/service/publikationen/17-kinder-und.jugendbericht-244628 [Zuletzt abgerufen am: 30.09.2025].

    Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (2023): JIM-Studie 2024. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart,https://mpfs.de/app/uploads/2024/10/JIM_2023_web_final_kor.pdf (Abfrage: 07.07.2026).

    Bildquelle

    Abbildung 1: BMBFSFJ (2025): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Verfügbar unter: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmfsj/service/publikationen/17-kinder-und.jugendbericht-244628 [Zuletzt abgerufen am: 30.09.2025].

  • Digitale Lebenswelten – Ein Gespräch mit Mädchen und Jungen im Jugendalter in einer Wohngruppe

    Digitale Lebenswelten – Ein Gespräch mit Mädchen und Jungen im Jugendalter in einer Wohngruppe

    Charlotte Kersten

    Was ist der 17. Kinder- und Jugendbericht?

    Der 17. Kinder- und Jugendbericht analysiert auf rund 600 Seiten zu vielen unterschiedlichen Themen die Lage von jungen Menschen in Deutschland. Dazu beschreibt er die Leistungen und die Bestrebungen der Kinder- und Jugendhilfe. Der Bericht erscheint alle vier Jahre. Die neuste Auflage erschien am 18.09.2024. Die Kernbotschaft ist Zuversicht braucht Vertrauen. Dies bedeutet, dass Kinder- und Jugendliche Zuversicht und Vertrauen nur dann erhalten können, wenn die Erwachsenen und die Politik sie dabei unterstützen und Verantwortung übernehmen und ihnen dadurch Vertrauen geschenkt werden kann (vgl. BMBFSFJ 2024).  

    Abb. 1: Titelseite BMBFSFJ 2024

    Digitalität im 17. Kinder- und Jugendbericht

    Der 17. Kinder- und Jugendbericht beschäftigt sich neben vielen anderen Themen auch mit dem Thema Digitalität. Bereits seit dem 12. Kinder. und Jugendbericht wird das Thema Digitalität alle vier Jahre mit einem anderen Fokus in der Berichterstattung behandelt. Daran kann erkannt werden, dass die Digitalisierung als sozialer Wandlungsprozess gesehen wird und somit auch Folgen in der Kinder- und Jugendhilfe hat (vgl. BMFSFJ 2024: S. 275). Der aktuelle Bericht zeigt zum Thema Mediennutzung und zum Onlinehandeln von Kindern und Jugendlichen, dass der Umgang mit Medien für die Mehrheit dieser Altersgruppe alltäglich geworden ist. Er bezieht sich bei seiner Recherche insbesondere auf die sogenannte KIM-Studie aus 2024 (mpfs 2024) Diese konnte empirisch aufzeigen, dass in nahezu allen Haushalten Fernsehgeräte, Smartphones, Computer, sowie Laptops und ein Internetzugang zur Verfügung stehen. Zudem kann im Onlinehandeln beobachtet werden, dass Jugendliche am häufigsten hierzu ihr Smartphone benutzen (vgl. ebd., S. 276). Auch bezieht sich der Bericht auf die JIM-Studie aus 2023 (vgl. mpfs 2023). In dieser wird festgestellt, dass die Onlinenutzungsdauer bei den 12- bis 19-Jährigen im Schnitt im Jahr 2023 bei 224 Minuten pro Tag gelegen hat. Zusätzlich konnte erfasst werden werden, dass die durchschnittliche Onlinenutzungsdauer pro Tag mit steigendem Alter zunimmt. Beliebte Onlineaktivitäten sind bei den Jugendlichen online sein, Musik hören, Internetvideos schauen und digitale Spiele konsumieren. Die wichtigste App bei den befragten Jugendlichen war WhatsApp, danach folgten Instagram, TikTok und YouTube (vgl. BMFSFJ 2024, S. 277).

    Auswahl und Kontext für die Auswahl unseres Themas für unser Projekt

    Im Kontext unseres Bachelor-Seminars im Studiengang Erziehungswissenschaft mit dem Titel Der 17. Kinder- und Jugendbericht an der Universität Hildesheim hatten wir die Aufgabe, ein Thema im Bericht zu identifizieren, dass uns erstens interessant erscheint und dass zweitens dazu dienen kann, in einem Projekt mit unterschiedlichen Gruppen an Personen aus der Kinder- und Jugendhilfe in Kontakt treten zu können. Gemeinsam in unserer Gruppe haben wir zuerst Themen gesammelt, die uns am meisten interessierten. Recht schnell wurde deutlich, dass wir uns alle vier für das Thema Digitalität interessieren. Dadurch wurde uns deutlich, dass wir in die Richtung Digitalität bei Mädchen und Jungen unser Projekt durchführen möchten und somit begannen wir unser Projekt zu gestalten.

    Planung und Durchführung des Projekts

    Gemeinsam haben wir zu viert als Gruppe überlegt, wo wir unser Projekt am besten durchführen können. Wir haben uns entschieden, mit Jugendlichen und nicht mit jüngeren Kindern unser Projekt durchzuführen, deshalb sind wir auf die Idee gekommen, unser Projekt in einer Wohngruppe zu gestalten. Zudem dachten wir, dass es bestimmt interessant sei, wenn wir noch den Mitarbeitenden in der Einrichtung Fragen stellen können, um einen anderen Einblick in die Thematik zu bekommen. Durch diese Überlegung fühlten wir uns zusätzlich bestätigt, unser Projekt in einer Wohngruppe durchzuführen. Nach der erfreulichen Zusage einer Wohngruppe haben wir begonnen, Ideen und Fragen für unser Projekt zu entwickeln.

    Für die Durchführung unseres Projektes sind wir zu viert als Gruppe zu einer Wohngruppe in der Nähe von Hannover gefahren. In dieser Wohngruppe leben Mädchen und Jungen zusammen. Wir haben mit einer kleinen Vorstellungsrunde begonnen. Nach dieser sind wir mit den Jugendlichen ins Gespräch gekommen. Dieses haben wir mit einer Eröffnungsfrage über das Onlinetool Mentimeter gestartet. Diese lautete:,,Was fällt euch ein, wenn ihr an digitale Medien denkt?“ Insgesamt haben wir mit zwei Mädchen und zwei Jungen aus der Wohngruppe gesprochen. Wir haben die Antworten der Jugendlichen zum Anlass genommen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wir konnten ein gutes Gespräch führen und viele Informationen sammeln. Nachdem wir mit den Jugendlichen gesprochen haben, durften wir unsere Fragen an die Mitarbeitenden stellen. Auch hier haben wir neue Erkenntnisse und Informationen erhalten.


    Fragen an die Jugendlichen

    • Wie lange nutzt ihr ungefähr am Tag digitale Medien?
    • Welche Endgeräte nutzt ihr am meisten?
    • Was nutzt ihr? (Welche Apps werden gerne genutzt) → Menti – Abfrage
    • Näher eingehen auf → Was für Inhalte schaut ihr euch in den jeweiligen Apps an?
    • Wenn Bildungsinhalte konsumiert werden → Für was, welche und wie viel?
    • Wenn keine Bildungsinhalte konsumiert werden → Warum benutzt ihr das nicht für Bildungszwecke?
    • Wie ist die Nutzung von digitalen Medien in die Wohngruppe eingebunden? (Alle zusammen oder jeder einzeln)
    • Was wünscht ihr euch im Umgang mit den Medien in der Wohngruppe

    Die Erkenntnisse aus dem Gespräch mit den Jugendlichen

    Die befragten Jugendlichen gaben an, dass ihre Bildschirmzeit durchschnittlich bei 9 Stunden pro Tag liegt. Bei der Nutzung wurden Endgeräte wie Handy, Tablet und PC am häufigsten genannt. Als wir im Gespräch näher draufeingegangen sind, was sie davon gerne benutzen und welche Inhalte sie sich am meisten anschauen, wurde deutlich, dass die Jungen häufiger den PC benutzen, um online Spiele, wie Fortnite und Minecraft, zu spielen. Bei den Mädchen hingegen konnten wir erkennen, dass sie häufiger soziale Medien, wie Instagram, TikTok und Snapchat oder Apps, wie Pinterest benutzen, um dort Inspirationen für Outfits zu erhalten. Des Weiteren haben wir herausgefunden, dass die Jugendlichen digitale Medien selten zu Bildungszwecken benutzen. Dennoch haben zwei Jugendliche erzählt, dass sie die App Duolingo benutzen, um Sprachen zu lernen. Eine Jugendliche gab an, dass sie politische Inhalte oft über TikTok konsumiert. Sie berichtet auch, dass sie der Tagesschau auf Instagram folgt, um über Aktuelles informiert zu sein. Des Weiteren werden Dokumentationen oder Podcasts genutzt. Dies passiert nach den Aussagen der Jugendlichen meistens spontan, je nachdem, was die befragte Person gerade anspricht. Zudem werden bestimmte Apps, wie ChatGPT oder Google für die Schule genutzt. Außerdem konnten die Jugendlichen uns bestätigen, dass sie digitale Medien lieber zum Entertainen und Spielen benutzen als für Bildungszwecke.

    Fazit

    Insgesamt zeigt sich, dass alle Jugendlichen, mit denen wir im Gespräch waren, eine hohe Bildschirmzeit aufweisen. Sie weisen sogar eine mehr als doppelt so hohe Bildschirmzeit auf, wie in dem aktuellen Kinder- und Jugendbericht festgestellt wird. Dennoch sollte aber auch bedacht werden, dass das Gespräch in der Wohngruppe nur mit vier Jugendlichen stattgefunden hat und das dies daher nicht repräsentativ ist. Unsere Vermutung, dass Mädchen häufiger in sozialen Medien unterwegs sind und Jungen hingegen lieber online Spiele spielen (umgangssprachlich das sogenannte Zocken), konnte uns von einem Mitarbeiter in der Wohngruppe bestätigt werden. Außerdem konnten wir erkennen, dass die Jugendlichen nicht oft digitale Medien für Bildungszwecke nutzen. Des Weiteren war es sehr interessant, einen Einblick in eine Wohngruppe zu bekommen und um nicht nur zu schauen, was die Jugendlichen für Angaben und Antworten geben, sondern auch, wie sie den Umgang generell mit digitalen Medien in ihrer Wohngruppe finden und was die Mitarbeitenden zu diesem Thema sagen. In der Wohngruppe ist der Umgang so geregelt, dass die Jugendlichen gelegentlich zusammen einen Film schauen. Weitere Regelungen werden individuell festgelegt.  

    Wenn du noch mehr darüber lesen willst, was die Mitarbeitenden zu dem Thema Digitalität bei Mädchen und Jungen im Jugendalter gesagt haben, dann schaue dir gerne den Blogbeitrag von Sandy Heller und Sophie Mainka an. Zudem kannst du dich ebenfalls über den Blogbeitrag von Kiara Schulz zum Thema weiter informieren. Mehrere Infos zu dem Thema Digitalität im Jugendalter finden sich im aktuellen Kinder- und Jugendbericht. Viel Spaß beim Lesen!

    Literatur

    BMBFSFJ (2024): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Verfügbar unter: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmfsj/service/publikationen/17-kinder-und.jugendbericht-244628 (Abfrage: 30.09.2025).

    Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (2023): JIM-Studie 2024. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart,https://mpfs.de/app/uploads/2024/10/JIM_2023_web_final_kor.pdf (Abfrage: 07.07.2026).

    Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (2024): KIM-Studie 2024. Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Stuttgart. https://mpfs.de/app/uploads/2025/05/KIM-Studie-2024.pdf (Abfrage: 07.07.2026).

    Abbildungsverzeichnis

    Abbildung 1: BMBFSFJ (2025): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Verfügbar unter: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmfsj/service/publikationen/17-kinder-und.jugendbericht-244628 [Zuletzt abgerufen am: 30.09.2025].