Schlagwort: Nachhaltigkeit

  • Hauptsache billig! – Fast Fashion und was junge Menschen wirklich wollen

    Thea Niemeyer, Anna Welterlich und Esther Muik

    Fotos: Esther Muik

    Alltägliche Entscheidung mit globaler Wirkung

    Die Entwicklung geschlechtlicher Identität ist ein wichtiger Teil der Identitätsfindung im Kindes- und Jugendalter. Diversitätsreflexive Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe sind notwendig, um die Teilhabe aller junger Menschen unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung zu ermöglichen. Geschlechtliche Vielfalt muss nicht nur rechtlich, sondern auch kulturell und institutionell anerkannt werden (vgl. ebd., S. .Samstagvormittag in der Innenstadt. Mia und ihre Freundin Sara sind 16 Jahre alt und schlendern durch die Stadt an den einzelnen Schaufenstern vorbei. Als Mia vor einem Modegeschäft stehen bleibt und Tops für 5 Euro sieht, kommt ihr sofort der Gedanke „Das muss ich haben“ in den Kopf. Nach kurzer Zeit in der Umkleidekabine verlassen die beiden Freundinnen den Laden mit einer vollen Tüte Kleidungsstücke, die zu Hause direkt in den Schrank zu den anderen Dutzenden Shirts gehängt werden, die seit Monaten nicht mehr getragen werden. Was Mia dabei aber nicht bedacht hat ist: Woher kommen die Kleidungsstücke? Wer hat das genäht? Unter welchen Bedingungen wurde diese produziert?

    Was sagt der Kinder- und Jugendbericht du diesem Thema?

    Zwischen Nachhaltigkeit und Modekonsum: Was (nicht) im 17. Kinder- und Jugendbericht steht

    Der 17. Kinder- und Jugendbericht, veröffentlicht im September 2024, befasst sich mit der Lage junger Menschen unter dem Leitgedanken „Zuversicht braucht Vertrauen“. Die Verfasser*innen analysieren, wie Kinder und Jugendliche in einer Welt geprägt von Krisen, Unsicherheiten und komplexen Zukunftsfragen aufwachen.

    Ein zentrales Thema im Bericht ist die Klimagerechtigkeit. Dabei wird betont, dass junge Menschen besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Durch im Bericht formulierte Richtlinien wird gefordert, dass die Kinder- und Jugendhilfe klimagerecht handeln muss.

    „[…] Kinder- und Jugendhilfe repräsentiert sich demnach dadurch, […] dass sie klimagerecht ist“

    (BMFSFJ 2024, S. 44)

    Nachhaltigkeit soll dabei nicht als Einzelthema betrachtet werden, sondern als Querschnittsaufgabe in allen pädagogischen Feldern.

    In unserem Blogeintrag wollen wir konkret auf das Thema Fast Fashion und Recycling aufmerksam machen, denn in einer Zeit, in der soziale Medien unseren Alltag prägen, ist das Bedürfnis dazuzugehören größer denn je.

    Kleidung ist dabei mehr als nur praktisch, sie wird zum Ausdruck von Identität und Zugehörigkeit. Besonders unter Jugendlichen gewinnt Mode immer mehr an Bedeutung, da sich Trends über Plattformen wie Instagram, TikTok und Co. rasant verbreiten. Wer mithalten möchte, ist schon fast gezwungen, regelmäßig Neues zu kaufen.

    Genau hier fängt das Problem an: Fast Fashion bedient diesen Druck mit billig und schnell produzierten Kleidungsstücken, die kaum getragen und umso schneller entsorgt werden.

    Der 17. Kinder und Jugendbericht spricht zwar ausführlich über ökologische Herausforderungen (vgl. BMFSFJ 2024, S.100 ff und 282 ff.), aber das Thema Konsumverhalten, insbesondere Fast Fashion, wird kaum konkret behandelt. Dabei ist genau das ein Thema, mit dem junge Menschen tagtäglich in Berührung kommen, angefangen von Werbung auf Social Media, günstige Kleidung bei bekannten Marken und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit durch Kleidung. Ihr Konsumverhalten, so meinen wir, ist aber zugleich mit schlechtem Gewissen wegen der damit verbundenen Umweltauswirkungen und Ausbeutung geprägt.

    Diese Diskrepanz zwischen dem realen Konsumalltag Jugendlicher und der politischen Verantwortung für nachhaltige Entwicklungsprozesse stellt aus unserer Sicht eine Lücke im Bericht dar. Fast Fashion ist nicht nur ein Umweltthema, sondern aus unserer Perspektive auch ein pädagogisches, denn es berührt Fragen von Identität, Gruppenzugehörigkeit und Selbstwirksamkeit.

    Studien zum ThemaFast Fashion bei jungen Erwachsene

    Die Modewelt dreht sich immer schneller, besonders für Jugendliche. Kleidung ist günstig, leicht verfügbar und überall präsent. Was sagen Studien zu dem Konsumverhalten von Jugendlichen?

    Mehr Geld, mehr Kleidung- aber zu welchem Preis?

    6- bis 13-Jährige haben mehr Geld für Kleidung zur Verfügung als früher. Durchschnittlich 49 Euro bekommen sie jeden Monat, aus dem monatlichen Taschengeld und Geldgeschenken zu Weihnachten oder Geburtstagen. Allein die Modekette H&M hat einen monatlichen Umsatz von etwa 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2024. Etwa 60% der Jugendlichen geben ihr Geld am liebsten für Kleidung aus, wobei das Motto meistens zu lauten scheint: Viele Teile für wenig Geld. Diese Einkäufe entstehen, anders als bei Erwachsenen, oft aus emotionalen Impulsen (Kammerer, o.D).

    Es fällt auch auf, dass die Jugend häufiger Produkte kauft, wenn sogenannte Influencer bereits dafür geworben haben. In diesem Fall spielen vor allem die Qualität, aber auch der Preis, nur eine untergeordnete Roll (Kammerer, o.D.).

    Laut Greenpeace (2015) ist das Bewusstsein über die sozialen und ökonomischen Missstände in der Textilproduktion vorhanden, wie über schlechte Arbeitsbedingungen, den Einsatz von gefährlichen Chemikalien und die Entstehung von Umweltproblemen aufgrund der Textilproduktion.  Aber es fehlt das Detailwissen, denn nur 3 bis 6 Prozent der Jugendlichen kennen grüne Labels (Abbildung 1).

    Abbildung 1: Worauf wird beim Kauf geachtet und wo wird überhaupt gekauft? (Greenpeace e. V. 2015, o.S.; eigene Darstellung).

    Jugendliche achten hauptsächlich auf zwei Faktoren: erstens auf das Design des Kleidungsstücks (81%) und andererseits auf den Preis (49%). Dahingegen wird kaum auf z.B. das Textilsiegel oder die Produktionsbedingungen geachtet.

    Gekauft wird überwiegend bei bekannten Modeketten, wie H&M, New Yorker oder Primark; heutzutage immer öfter bei Amazon, Zalando und Co. Aber wer nutzt nachhaltigere Alternativen? 13% der Jugendlichen nutzen Second-Hand Läden gelegentlich oder regelmäßig, 6% nutzen Upcycling-Kleidung und nur 5% erwerben eher vegane Mode (Greenpeace 2015).

    Und woher kommt es, dass nur wenige nachhaltige Mode nutzen? Laut Greenpeace hat Fair-Fashion ein Image Problem: Viele denken, dass faire Mode zu teuer, nicht schön und schwer zu finden sei. Außerdem schreckt es 68% ab, bereits von anderen Menschen getragene Kleidung, selbst zu tragen.

    Was passiert mit alter Kleidung?

    Wenn ein Kleidungsstück nicht mehr gefällt oder passt, landet es bei Jugendlichen zu 71% in Altkleidersammlungen. Etwa ein Drittel der Befragten verkauft es online weiter. Für sogar jeden Fünften ist alte Kleidung schlicht Müll (Greenpeace 2015).

    Forderungen

    Schluss mit der Wegwerf-Mentalität ist die Kernaussage von Greenpeace. Es sollte mehr Aufklärungsangebote für junge Menschen geben, wo gelernt wird, dass Leihen, Tauschen und Weitergeben besser und nachhaltiger sind, als immer nur neue Kleidung zu kaufen. Damit wird sogar Geld gespart.

    Fast Fashion trifft auf die Kinder- und Jugendhilfe (KJH)

    Fast Fashion, Klimakrise & Verantwortung: Was kann Jugendhilfe leisten- und was nicht?

    Die Klimakrise ist für Kinder und Jugendliche schon längst keine abstrakte Zukunftsbedrohung mehr, sondern spürbare Realität. Hitze, Naturkatastrophen und vor allem Angst vor dem Zukunftsverlust, all das betrifft Kinder und Jugendliche. Viele reagieren mit politischem Engagement, Protest und Forderungen nach konsequentem Handeln für mehr Klimagerechtigkeit (BMFSFJ 2024, S. 80). Diese Entwicklung fordert auch die Kinder- und Jugendhilfe heraus, denn sie soll junge Menschen stärken, begleiten und befähigen, sich in dieser komplexen Welt zurechtzufinden.

    Der Kinder- und Jugendbericht stellt dennoch klar, dass:

    „Obwohl die Kinder- und Jugendhilfe grundsätzlich für alle jungen Menschen und deren Familien zuständig ist, ist sie nicht für die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme verantwortlich.“

    (BMFSFJ 2024, S. 77)

    Sozialarbeiter*innen und Pädagog*innen z.B. in Kinder- und Jugendzentren leisten wichtige Arbeit, aber sie sind nicht das Reparaturwerkzeug für eine Gesellschaft, die an vielen Stellen, wie beispielsweise beim Thema Klimagerechtigkeit, versagt.

    Trotzdem kann Kinder- und Jugendhilfe ein Ort sein, an dem junge Menschen lernen, wie sie selbst etwas ändern können. Sie kann Bildungsangebote schaffen, Räume eröffnen und Gespräche zu weltbewegenden Fragen eröffnen. Gerade wenn sich das Thema Fast Fashion anschaut wird, ist das wichtig, denn junge Menschen stehen unter ständigem Druck, mit Trends mitzuhalten. Dabei ist vielen nicht klar, was hinter diesen Kleidungsstücken steckt: Ausbeutung, Umweltzerstörung und Wegwerfmentalität. Genau hier kann Kinder- und Jugendhilfe ansetzen. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit echten, kreativen Alternativen wie Upcycling, Kleidertausch und kritischen Diskussionen.

    Damit Kinder- und Jugendhilfe diese Themen wirksam aufgreifen kann, braucht es auch strukturelle Unterstützung, im Sinne von mehr Personal, mehr Räume und mehr Zeit (BMFSFJ 2024, S. 77). Es braucht auch politische Anerkennung dafür, dass Kinder- und Jugendhilfe mehr leistet als Freizeitgestaltung, denn sie bietet wichtige Bildungs- und Beteiligungsräume für Kinder und Jugendliche.

    Aber: Hier muss man auch ehrlich sein: Denn Kinder- und Jugendhilfe kann zwar wichtige Impulse setzen, stößt aber auch an Grenzen. Nicht jede Fachkraft hat das Wissen, Material oder die zeitlichen Ressourcen, um tief in die konsumkritische oder umweltpädagogische Arbeit einzusteigen. Viele Einrichtungen sind unterfinanziert, Personal überlastet und Projekte zu Kleidung und Klima gelten oft als „nice to have“ und nicht als bildungspolitische Notwendigkeit.

    Zudem bleibt offen, wie nachhaltig solche Angebote wirken, wenn die Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Werbung oder politische Regulierung, unangetastet bleiben. Zwar können auch kleine Projekte Denkanstöße geben, in dem sie Raum für kritische Nachfragen schaffen. Aber diese Bildungsarbeit darf nicht zur Ausrede dafür werden, politische Verantwortung weiter auf Einrichtungen und Fachkräfte abzuwälzen.

    Wir denken: Die Kinder- und Jugendhilfe kann Teil der Lösung sein, aber sie darf nicht zum Lückenfüller für gesellschaftliches Versagen gemacht werden.

    Bei all dem darf nicht vergessen werden, dass die Kinder- und Jugendhilfe Teil der Lösung, aber nicht die ganze Lösung ist.

    Konsequenzen für die Pädagogik: Haltung zeigen, Handlung ermöglichen

    Fast Fashion hat weiterreichende Konsequenzen für die Pädagogik, besonders im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung, der Wertebildung und der Konsumkompetenz junger Menschen. Zunächst werden durch Fast Fashion die Bildungsrechte von Kindern in Produktionsländern stark verletzt. Häufig arbeiten Kinder in Textilfabriken, um ihre Familien zu unterstützen, wodurch ihnen der Schulbesuch verwehrt wird. Dadurch wird das Recht auf Bildung verletzt und der Kreislauf der Armut zementiert (Humanium 2023). Pädagogisch stellt dies eine Herausforderung dar, da es eine Auseinandersetzung mit globaler Gerechtigkeit und Kinderrechten beispielsweise im Unterricht erfordert.

    Werden die westlichen Länder betrachtet, wird deutlich, dass Fast Fashion besonders das Konsumverhalten junger Menschen tiefgehend beeinflusst. Kleidung wird oftmals nur wenige Male getragen und dann entsorgt. Laut einer Analyse des Bundesumweltamts tragen Konsument*innen ein Kleidungsstück im Durchschnitt nur 1,7-mal, bevor es aussortiert wird (Umweltbundesamt 2022). Diese Wegwerfmentalität erschwert es, ein Bewusstsein für Ressourcenschonung und nachhaltigen Konsum zu entwickeln. Daraus entsteht eine zentrale pädagogische Aufgabe: die Förderung kritischer Konsumkompetenz und die Reflexion eigener Verhaltensmuster.

    Fast Fashion kann auch zu psychologisch problematischen Verhalten führen. Studien ergaben, dass der Kauf von günstiger Kleidung kurzfristig zu Glücksgefühlen (Dopaminausschüttung) führt, auf die Reue folgt, ein Verhalten das süchtig machen kann (Buhl 2022). Diese Aspekte sind für die pädagogische Arbeit insofern bedeutsam, als Pädagogik einen achtsamen Umgang mit Konsum sowie mit der psychischen Gesundheit fördern sollte.

    Im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung zeigt sich eine Auffälligkeit, denn viele Jugendliche zeigen ein starkes Umweltbewusstsein, sie handeln aber dennoch nicht entsprechend. Dieses Phänomen wird als Attitude-Behavior-Gap bezeichnet (Kruse 2025). Für die Pädagogik bedeutet dies, dass Lernangebote nicht nur Wissen vermitteln sollten, sondern auch Handlungskompetenz und Selbstwirksamkeitserfahrungen beinhalten müssen. Dabei sollen Projekte wie Kleidertauschbörsen oder Repair-Cafés praxisnahe Zugänge schaffen (Jugendhilfeportal 2023).

    Hinsichtlich der ethischen Aspekte bietet das Thema Fast Fashion Anlass zur Auseinandersetzung mit verschiedenen Fragen wie: „Wer leidet unter unserem Konsum?“ oder „Wie fair ist die globale Modeproduktion?“ Diese Themen können als Anknüpfstelle im Gespräch im Jugendzentrum oder auch Unterricht dienen und fördern die moralische Urteilsbildung (Reinhold 2016).

    Fast Fashion ist nicht nur ein ökologisches oder wirtschaftliches Problem, sondern auch eine pädagogische Herausforderung. Schulen und weitere Bildungseinrichtungen sind gefordert, durch kritische Auseinandersetzung und reflektierende Lernformen ein Bewusstsein für nachhaltigen Konsum zu fördern und somit einen Beitrag zur Gestaltung einer gerechteren und nachhaltigeren Zukunft zu leisten.

    Aktion: Upcycling im Klecks

    Fotos: Esther Muik

    Ein konkretes Beispiel, wie die Kinder- und Jugendhilfe das Thema Fast Fashion aufgreifen kann, ist ein Projekt, das wir im Jugendzentrum Klecks in Sarstedt durchgeführt haben. Unter dem Titel „Hauptsache billig!? Fast Fashion und was junge Menschen wirklich wollen“, entwickelten wir einen Workshop für Kinder ab 10 Jahren. Geplant wurde die Aktion rund einen Monat im Voraus, in enger Absprache mit den Fachkräften vor Ort.

    Beworben wurde es über Flyer und über das Sommerpass-Programm des Jugendzentrums, sodass eine breite Zielgruppe angesprochen werden konnte. Die Altersgruppe ab 10 erwies sich als sinnvoll, da Kinder in diesem Alter meist bereits ein Smartphone besitzen und teilweise schon erste Erfahrungen mit sozialen Medien sammeln. Sie begegnen dort tagtäglich Werbeanzeigen und Influencer*innen, die Konsumtrends vermitteln. Dies ist ein Grund mehr, frühzeitig kritische Reflexion über Fast Fashion zu vermitteln. Obwohl ursprünglich mit etwa zehn Teilnehmenden gerechnet wurde, nahmen am Ende drei Mädchen teil. Diese kleine Gruppe erwies sich jedoch als Vorteil, da sie eine intensive Betreuung und mehr Raum für individuelle Kreativität ermöglichte. Zu Beginn erhielten die Kinder einen kurzen Impuls über Fast Fashion, zu ökologischen Folgen der Textilindustrie bis hin zu den Arbeitsbedingungen in Herstellungsländern. Anschließend stand die praktische Arbeit im Mittelpunkt. Alte T-Shirts wurden zu Jutebeuteln umgestaltet, andere Kleidungsstücke durch das Anbringen von Ösen kreativ aufgewertet. Wichtig war uns dabei, auf Materialien zurückzugreifen, die zuhause vorgefunden werden können.

    Auch wenn die Teilnehmendenzahl hinter den Erwartungen zurückblieb, war die Aktion ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich gesellschaftlich relevante Thema mit kreativen Methoden für Kinder und Jugendliche erschließen lassen. Auf diese Weise entstand ein niederschwelliges Bildungsangebot, das Wissen, Handlungsmöglichkeiten und Spaß miteinander verband. Rückblickend hätten wir uns zwar gewünscht, dass mehr Kinder und Jugendliche den Weg in den Workshop gefunden hätten. Gleichzeitig waren wir froh zu erleben, dass sowohl das Kinder- und Jugendzentrum selbst als auch die Teilnehmenden Mädchen echtes Interesse am Thema entwickelt haben. Dieses Interesse bildet eine wertvolle Grundlage, an die in Zukunft angeknüpft werden sollte, etwa durch weitere Projekte, die Nachhaltigkeit, Konsumkritik und Spaß miteinander verbinden. Ein besonderer Dank gilt dem Kinder- und Jugendzentrum Klecks, das uns bei der Planung und Umsetzung tatkräftig unterstützt hat. Durch diese Kooperation wurde sichtbar, wie lokale Einrichtungen einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, Kinder und Jugendliche frühzeitig für gesellschaftliche Fragen wie Konsum und Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

    Call to action

    Foto: Esther Muik

    Jetzt bist du dran – dein Konsum, deine Entscheidung und deinen Beitrag zu Veränderung.

    Fast Fashion ist mehr als nur ein Trend. Sie steht sinnbildlich für unser Konsumverhalten, das häufig auf Schnelligkeit, Masse und niedrige Preise ausgerichtet ist. Doch wir alle haben die Möglichkeit, etwas zu verändern, nachhaltiger zu handeln, bedeutet, nicht perfekt zu sein, sondern bewusster Entscheidungen zu treffen.

    Schon von klein auf kannst du Entscheidungen treffen, indem du dir beim nächsten Einkauf überlegst, ob du das neue T-Shirt wirklich brauchst. Schau vorher vielleicht, ob du in deinem Kleiderschrank etwas umgestalten, reparieren oder weitergeben kannst. Projekte, Kleidertauschpartys oder Secondhandshop sind einfache Wege, mit Mode nachhaltig umzugehen und dabei noch kreativ zu werden. Aber auch über den eigenen Kleiderschrank hinaus kann etwas bewegt werden. Sprich mit deinen Freund*innen über das Thema oder informiere dich über nachhaltige Angebote in deiner Nähe. Jede Aktion, jeder kleine Schritt trägt zur positiven Entwicklung bei. Die Kinder- und Jugendhilfe und die Politik können Impulse geben. Wandel wird erst möglich, wenn junge Menschen selbst aktiv werden und Verantwortung tragen.

    Also: Mach mit, denk um und setze Zeichen für faire Mode und nachhaltiges Handeln. Die Zukunft fängt bei uns an.

    Fazit

    Fast Fashion spielt im Alltag vieler Kinder und Jugendlicher eine große Rolle, da aktuelle Trends, Soziale Medien und immer günstigere Preise zu einem schnellen und oft unreflektierten Konsumverhalten verleiten. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Jugendliche zwar ein grundsätzliches Bewusstsein für Nachhaltigkeit besitzen, dies aber selten konsequent umgesetzt wird (Attitude-Behavior-Gap). Auch im 17. Kinder- und Jugendbericht wird diese Lücke im Handeln kaum thematisiert, obwohl sie für Kinder und Jugendliche unmittelbar relevant ist.

    Es wird deutlich, dass Kinder und Jugendliche vor allem auf den Preis und das Design achten. Viele nachhaltigere Alternativen werden aufgrund von Imageproblemen oder Unwissenheit gemieden. Die Kinder- und Jugendhilfe kann hier wichtige Impulse geben und Bewusstsein fördern, auch wenn sie strukturelle Probleme nicht allein lösen kann. Das Upcycling Projekt im Kinder- und Jugendzentrum Klecks hat gezeigt, dass niedrigschwellige, praktische Ansätze Kinder und Jugendliche motivieren können, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen.

    Literatur

    Buhl, Gina (2022): Die Folgen der Billigmode – So wirkt sich Fast Fashion auf unsere Psyche aus. https://www.srf.ch/wissen/mensch/die-folgen-der-billigmode-so-wirkt-sich-fast-fashion-auf-unsere-psyche-aus (Abfrage 22.04.2026).

    Greenpeace e.V. (27.03.2015): Saubere Mode hat´s schwer. Repräsentative Greenpeace-Umfrage beleuchtet Modekonsum von Jugendlichen. Abrufbar unter: https://www.greenpeace.de/publikationen/mode-unter-jugendlichen-greenpeace-umfrage_zusammenfassung_1.pdf (Abfrage 22.04.2026).

    Humanium. (2023): Die schädlichen Auswirkungen von Fast Fashion auf Kinderrechte. https://www.humanium.org/de/die-schaedlichen-auswirkungen-von-fast-fashion-auf-kinderrechte/ (Abfrage 22.04.2026).

    Jugendhilfeportal (2023): Wie können Jugendliche zu nachhaltigem Konsumverhalten befähigt werden? https://jugendhilfeportal.de/artikel/wie-koennen-jugendliche-zu-nachhaltigem-konsumverhalten-befaehigt-werden(Abfrage 22.04.2026).

    Kammerer, C. (o.D.): Fast Fashion- Konsumverhalten Jugendlicher. https://www.lernando.de/magazin/555/Fast-Fashion-Konsumverhalten-Jugendlicher?srsltid=AfmBOopZkIQ9bhV402wJPJELbsfUjdzUF72dBHPyHAhaIGZBQH57giAg (Abfrage 10.07.2025).

    Kruse, Hauke (2025): Nachhaltiger Lebensmittelkonsum – Erklärungsansätze für den Attitude-Behavior-Gap von Studierenden in Norddeutschland. In: Standort 49, S. 3–12. https://doi.org/10.1007/s00548-024-00928-8

    Reinhold, Katharina (2016): Fashion Society – Mode trifft Moral. https://www.bpb.de/lernen/kulturelle-bildung/223869/fashion-society-mode-trifft-moral/ (Abfrage 22.04.2026).

    Umweltbundesamt (2022): Fast Fashion: Ein Problem für Mensch und Umwelt. https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/produkte/fast-fashion-ein-problem-fuer-mensch-umwelt (Abfrage 22.04.2026).