Schlagwort: Partizipation

  • Jungsein in Zeiten des Wandels: Zwischen Krise und Hoffnung – Jugend gestaltet Zukunft

    Jungsein in Zeiten des Wandels: Zwischen Krise und Hoffnung – Jugend gestaltet Zukunft

    Anna-Maria Correggia, Saskia Hensel und Carolin Marie Clara Oelkers

    Unsere Zukunft – aber wer schützt sie eigentlich?

    Das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist heute stärker denn je von multiplen Krisen geprägt. Krieg, Pandemie, Klimawandel und ein akuter Fachkräftemangel schaffen ein Gefühl der Unsicherheit und Überforderung, das sich besonders auf sozial benachteiligte junge Menschen auswirkt (vgl. BMFSFJ 2024, S. 83). Diese sogenannte „Polykrise“ ist mehr als eine Aneinanderreihung einzelner Probleme; sie stellt ein komplexes Geflecht dar, das die Lebensrealitäten junger Menschen grundlegend verändert und ihre Vulnerabilität (die potenzielle Verletzlichkeit) multipliziert.
    Trotz der tiefgreifenden Auswirkungen dieser Krisen auf Kinder und Jugendliche, insbesondere auf jene aus ökonomisch benachteiligten Verhältnissen, werden ihre Anliegen und Interessen im öffentlichen Diskurs oft kaum berücksichtigt (vgl. BMFSFJ 2024, S. 251). Während der Corona-Pandemie beispielsweise lag der politische Fokus primär auf psychischen Belastungen, anstatt die sozialen Folgen und ungleichen Lebensbedingungen umfassend zu thematisieren. Es ist von entscheidender Bedeutung, diese Situation detailliert zu beleuchten, da die Zukunft junger Menschen auch die Zukunft unserer Gesellschaft ist. Eine Vernachlässigung ihrer Bedürfnisse kann langfristig das Vertrauen in gesellschaftliche und demokratische Prozesse untergraben.

    Ausgangspunkt und Zielsetzung des Beitrags

    Der vorliegende Beitrag basiert auf den umfassenden Analysen und Erkenntnissen des 17. Kinder- und Jugendberichts (vgl. BMFSFJ 2024). Dieser Bericht dient als zentrales Analyseinstrument, um die Lebenslagen junger Menschen systematisch zu erfassen und zu bewerten. Er legt die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen des Aufwachsens offen und zeigt auf, welche tiefgreifenden Folgen die aktuellen Entwicklungen für benachteiligte junge Menschen haben. Gleichzeitig untersucht er die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe und macht sichtbar, wie diese auf die unterschiedlichen Herausforderungen reagiert.
    Dieser Beitrag wird die vielschichtigen Herausforderungen des Jungseins in krisenhaften Zeiten beleuchten, die Bedeutung von Partizipation hervorheben und konkrete Handlungsempfehlungen für eine gerechtere und solidarischere Gesellschaft ableiten.
    Dabei fließen auch Einblicke aus unserem studentischen Projekt „Zukunft(s)fragen – Wie Kinder und Jugendliche in prekären Lebenslagen ihre Zukunft sehen“ ein, welches die subjektiven Perspektiven von Kindern und Jugendlichen aus sozioökonomisch herausfordernden Lebenslagen auf ihre eigene Zukunft in einer unsicheren Gesellschaft in Deutschland untersucht hat.

    Teil 1: Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und soziale Ungleichheiten

    Kinderarmut im Kontext multipler Krisen – Herausforderungen und strukturelle Ungleichheiten

    In den letzten Jahren hat sich die Lebensrealität vieler Kinder und Jugendlicher in Deutschland deutlich verschärft. Der 17. Kinder- und Jugendbericht zeigt auf, wie sich multiple Krisen, wie etwa die Corona-Pandemie, die bewaffneten Konflikte, der Klimawandel oder der Fachkräftemangel, verstärkt negativ auf das Aufwachsen junger Menschen auswirken. Dabei trifft es nicht alle gleich: Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien sind von diesen Entwicklungen überproportional betroffen (vgl. BMFSFJ 2024, S. 83 f.).

    Soziale Ungleichheit durch Krisen verschärft

    Während der Corona-Pandemie traten soziale Ungleichheiten besonders deutlich zutage. Der Wegfall von Bildungs- und Betreuungsinfrastrukturen wie Schulen, Kitas oder Kinder- und Jugendzentren traf vor allem jene, die bereits zuvor wenig Ressourcen zur Verfügung hatten. Homeschooling war ohne Zugang zu digitalen Geräten, stabilem Internet oder Unterstützung durch Eltern kaum möglich – ein deutlicher Nachteil für jene, die ohnehin mit wenig Ressourcen auskommen mussten (vgl. BMFSFJ 2024, S. 84 ff.).
    Parallel zu dieser Krise zeigen aktuelle Daten, dass es auch jenseits von Pandemiefolgen an Betreuungsplätzen mangelt. Im Jahr 2022 besteht ein rechnerischer Platzmangel von 321 000 Betreuungsplätzen für Unter-Dreijährige, und das bei einer Betreuungsquote von 35,5 % bei 49 % elterlichem Betreuungswunsch. Außerdem fehlen 109 000 Plätze für Drei- bis Unter-Sechsjährige. Obwohl 96 % der Sorgeberechtigten eine Betreuung wünschen, liegt die tatsächliche Betreuungsquote hier bei nur 92 %. Kinder mit Migrationsgeschichte nutzen Angebote für unter Dreijährige seltener (22 % vs. 43 %) und bei Drei- bis Unter-Sechsjährigen verhältnismäßig mehr (78 % vs. 100 %) (vgl. Autor:innengruppe Kinder- und Jugendhilfestatistik 2024, S. 52, 56 ff.).
    Auch der Fachkräftemangel in sozialen und pädagogischen Berufen verschlechtert die Situation. Gerade Kinder und Jugendliche, die auf Unterstützung in besonderem Maße angewiesen wären, erhalten weniger individuelle Förderung, Schutz und Teilhabemöglichkeiten (vgl. ebd., S. 87 f.). Hinzu kommen finanzielle Sorgen durch Inflation und steigende Energiepreise, die viele Familien zusätzlich belasten. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Kinderarmut nicht lediglich eine Begleiterscheinung einzelner Krisen ist, sondern ein tief verwurzeltes Problem, das langfristige gesellschaftliche Konsequenzen nach sich zieht.

    Kinderarmut: Ein strukturelles Problem

    Laut Statistischem Bundesamt (2024) waren im Jahr 2023 in Deutschland 23,6 % der unter 18-Jährigen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. In dieser Statistik umfasst soziale Ausgrenzung nicht nur finanzielle Armut, sondern auch Herausforderungen, die sich in der Wohnsituation, bei materiellen Ressourcen und in den Möglichkeiten zur sozialen Teilnahme zeigen (vgl. Statistisches Bundesamt o.J.). Minderjährige stellen damit die am stärksten armutsgefährdete Bevölkerungsgruppe dar. Diese Armut ist selten ein kurzfristiger Zustand und oft bleibt sie über Generationen bestehen. Die soziale Mobilität nimmt ab, und viele junge Menschen haben kaum Chancen, ihre Lebenslage aus eigener Kraft zu verbessern.
    Zudem zeigt sich, dass Kinderarmut mehr als ein Problem mit dem Einkommen ist. Sie bedeutet eingeschränkten Zugang zu Bildung, Teilhabe, angemessenem Wohnraum, gesunder Ernährung und gesellschaftlicher Anerkennung. Folglich fehlen in sozial benachteiligten Wohngebieten häufig öffentliche Grünflächen oder niedrigschwellige Treffpunkte, an denen sich junge Menschen begegnen können. Diese fehlenden Rückzugs- und Erlebnisräume verstärken das Gefühl sozialer Isolation – insbesondere in ohnehin belasteten Lebenslagen (vgl. Luhmann et al. 2023, S. 60 f.). Besonders gravierend ist, dass armutsbetroffene Kinder und Jugendliche in mehrfacher Hinsicht benachteiligt sein können: Merkmale wie Behinderung, Migrationsgeschichte oder Alleinerziehenden-Status potenzieren die soziale Ausgrenzung (vgl. BMFSFJ 2024, S. 112).

    Lebensrealitäten und Belastungen benachteiligter Jugendlicher

    Die strukturelle Benachteiligung lässt sich jedoch nicht allein über Daten und Kategorien erfassen, sie zeigt sich auch deutlich in den alltäglichen Lebenswelten junger Menschen. Der 17. Kinder- und Jugendbericht verdeutlicht eindrücklich, wie sich diese Realität konkret gestaltet und welche emotionalen, sozialen und psychischen Folgen sich daraus ergeben. Krisen sind Verstärker sozialer Probleme, denn Lockdowns und Kontaktbeschränkungen haben bei Jugendlichen zu massivem Stress, Überforderung und psychischen Belastungen geführt. Einsamkeit betraf vor allem junge Menschen aus einkommensschwachen Familien (vgl. BMFSFJ 2024, S. 251). Eine Studie in Nordrhein-Westfalen dokumentierte, dass 78 % der Befragten sich „etwas“ oder „stark einsam“ fühlten (vgl. Luhmann et al. 2023, S. 59 ff.). Finanzielle Unsicherheit und fehlende Freizeitangebote verstärken Zukunftsängste, indem sie bestehende Probleme zu echten Krisen eskalieren ließen (vgl. Andresen et al. 2022, S. 16 f.). Online-Aktivitäten, Musikhören, Treffen mit Freunden und Sport dominieren die Freizeit junger Menschen, daher wünschen sie sich mehr sichere und auch für sie sozial zugänglichere Begegnungsorte (vgl. Stuttgarter Jugendhaus 2023, S. 22 ff.). Armut schränkt nicht nur die materielle Teilhabe ein, sondern erschwert zusätzlich Zugang zu Freizeit- und Sportangeboten, was die soziale und emotionale Isolation der Kinder- und Jugendlichen aus ökonomisch benachteiligten Lebenslagen verstärkt. Diese individuellen Erfahrungen verdeutlichen einmal mehr, dass strukturelle Kinderarmut nicht nur eine ökonomische, sondern eine tiefgreifende gesellschaftliche Herausforderung darstellt.

    Digitale Spaltung als neue Dimension der Ungleichheit

    Die Digitalisierung birgt große Chancen, insbesondere für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe. Zugleich wird deutlich, dass gesellschaftliche Ungleichheiten auch im digitalen Umfeld Ausdruck finden: Junge Menschen aus ökonomisch benachteiligten Haushalten haben nicht nur seltener Zugang zu Geräten oder Internet (First-level digital
    divide), sondern nutzen digitale Angebote auch anders (Second-level digital divide). Zusätzlich wirken algorithmische Mechanismen im Hintergrund (Third-level digital divide), welche bestehende Ungleichheiten im digitalen Raum weiter zementieren (vgl. BMFSFJ 2024, S. 105).

    Soziale Klasse als zentrales Analysekriterium

    Statt von „sozialer Herkunft“ spricht der Bericht bewusst von
    sozialer Klasse. Neben Einkommen und Bildung umfasst dieser Begriff auch kulturelle Werte, Netzwerke und Machtverhältnisse als zentrale Elemente, die die Chance auf Teilhabe prägen. Soziale Klasse wirkt dabei oft suprakategorial, d. h. sie überschneidet sich mit anderen Differenzmerkmalen wie Geschlecht, Migration oder zugeschriebener Behinderung und verstärkt bestehende Benachteiligungen (vgl. BMFSFJ 2024, S. 112 f.). In der Konsequenz heißt dies für die Kinder- und Jugendhilfe, dass Angebote und Beteiligungsformate so gestaltet werden müssen, dass sie unterschiedliche soziale Lebenslagen berücksichtigen. Ein rein formaler Zugang reicht nicht aus, wenn kulturelle Codes, fehlende Netzwerke oder institutionelle Hürden jungen Menschen den tatsächlichen Zugang zu Teilhabe erschweren.

    Anerkennung, Teilhabe und Gerechtigkeit als Leitprinzipien

    Der Bericht betont, dass Teilhabe mehr ist als bloßer Zugang zu Angeboten, wie Bildungs- und Betreuungsangeboten. Es geht um reale Wahlmöglichkeiten, selbstbestimmte Lebensführung und gesellschaftliche Anerkennung. Diese Beispiele gelten als Rechte, die gerade benachteiligten jungen Menschen oft verwehrt bleiben. Deshalb soll die Kinder- und Jugendhilfe nicht nur auf Krisen reagieren, sondern aktiv Bedingungen für ein gerechtes Aufwachsen schaffen. Hierzu gehören inklusive Konzepte, stabile Strukturen und ein expliziter Fokus auf soziale Gerechtigkeit (vgl. BMFSFJ 2024, S. 83).
    Wichtig ist außerdem auch die politische Repräsentation junger Menschen. Vor allem jene aus benachteiligten Lebenslagen haben wenig Einfluss auf politische Entscheidungen und das, obwohl sie besonders stark betroffen sind. Der Bericht fordert daher eine stärkere Berücksichtigung ihrer Stimmen und Bedürfnisse in Politik und Gesellschaft.

    Fazit: Armut junger Menschen ist politisch und veränderbar

    Wer in Armut aufwächst, erfährt nicht nur materielle Einschränkungen, sondern oft auch soziale Ausgrenzung und geringere Chancen auf eine sichere, selbstbestimmte Zukunft. Der Bericht zeigt eindrücklich, dass es politische und gesellschaftliche Anstrengungen braucht, um die Lebenslagen junger Menschen nachhaltig zu verbessern.
    Das bedeutet: Wir müssen Armut konsequent bekämpfen, Ressourcen gerechter verteilen und die Kinder- und Jugendhilfe so ausstatten, dass sie ihrer zentralen Aufgabe, der Ermöglichung von Teilhabe, nachkommen kann. Im weiteren Verlauf dieses Blogs greifen wir mögliche Handlungsoptionen auf und skizzieren konkrete Maßnahmen, denn ob eine Gesellschaft gerecht ist, entscheidet sich früh bei den Jüngsten.

    Teil 2: Lebenswelten und Zukunftsperspektiven junger Menschen

    Zukunftsperspektiven und Vertrauen

    Junge Menschen, die in sozial benachteiligten Lebenslagen aufwachsen, schätzen ihre persönliche Zukunft pessimistischer ein als die gesellschaftliche (vgl. BMFSJ 2024, S. 150 f.). Das Vertrauen in politische Lösungen ist nicht da. Viele bezweifeln, dass die Politik ihre Lage verbessern kann. Diese Resignation spiegelt eine systemische Untergrabung demokratischer Handlungsfähigkeit wider. Neben materieller Unterstützung muss die Politik das Vertrauen in demokratische Prozesse und das Selbstwirksamkeitserleben junger Menschen wiederherstellen, um eine „verlorene Generation“ zu verhindern (vgl. Gaupp et al. 2021, S. 7 ff.).

    Bedeutung der Partizipation und notwendige Verbesserungen

    Die Beteiligung junger Menschen ist in Deutschland rechtlich verankert, insbesondere im Sozialgesetzbuch VIII, und wurde durch das Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (2021) weiter konkretisiert (vgl. BMFSFJ 2024, S. 361). Trotz dieser rechtlichen Grundlage zeigt sich in der Praxis jedoch, dass Partizipation häufig nur formal umgesetzt wird. Die Corona-Pandemie hat bestehende Ungleichheiten sichtbar verschärft, da zentrale Unterstützungsangebote temporär eingestellt wurden und die Kinder- und Jugendhilfe nur eingeschränkt handlungsfähig war (vgl. BMFSFJ 2024, S. 88). Hinzu kommen regionale Unterschiede in der Infrastruktur, die insbesondere in strukturell benachteiligten Räumen den Zugang zu Unterstützungsangeboten erschweren. Darüber hinaus stellt die Zugänglichkeit sozialstaatlicher Leistungen für Familien eine zentrale Herausforderung dar: Komplexe Antragsverfahren und unübersichtliche Zuständigkeiten erschweren einigen Familien die Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten.
    Armut beeinflusst nicht nur materielle Lebenslagen, sondern auch die Möglichkeiten junger Menschen, ihre Interessen sichtbar zu machen und gesellschaftlich wirksam einzubringen. Vor diesem Hintergrund berücksichtigt die Armutsforschung zunehmend die Perspektive von Kindern und Jugendlichen als eigenständige Akteur*innen, da Armut spezifische Auswirkungen auf ihr Wohlergehen, ihre Mitbestimmung und ihre Teilhabe in Familie, Schule und Ausbildung hat (vgl. BMFSFJ 2024, S. 153).
    Um tragfähige Partizipationsmöglichkeiten zu schaffen, bedarf es sensibler Zugänge, die Schamgefühle, gesellschaftlichen Druck und ungleiche Machtverhältnisse berücksichtigen. Forschung, Politik und Praxis sind gleichermaßen gefordert, Methoden und Beteiligungsformate zu entwickeln, die an den Lebensrealitäten junger Menschen aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen anknüpfen. Partizipation ist damit nicht nur ein sozialpädagogisches Prinzip, sondern eine strategische Voraussetzung, um demokratische Prozesse zu stärken und gesellschaftliche Resilienz zu erhöhen.

    Zukunft aus erster Hand: Kinder und Jugendliche teilen ihre Sicht

    Wie erleben junge Menschen ihre Zukunft, wenn sie täglich mit Unsicherheiten, Diskriminierungserfahrungen und Benachteiligungen konfrontiert sind? Genau dieser Frage sind wir in unserem Projekt „Zukunft(s)fragen“ nachgegangen. Entscheidend war uns dabei, nicht über, sondern mit den Kindern und Jugendlichen zu sprechen und gemeinsam ihre Perspektiven sichtbar zu machen. Ein Satz, der immer wieder auftauchte, bringt das auf den Punkt: “Ich wünsche mir, dass Erwachsene uns öfter zuhören und uns ernst nehmen”.
    Im Fokus standen die eigenen Stimmen der teilnehmenden jungen Menschen einer stationären Wohngruppe in Niedersachsen im August 2025. Die Gruppe war vielfältig zusammengesetzt: Sechs junge Menschen im Alter von acht bis siebzehn Jahren brachten unterschiedliche Lebenserfahrungen ein.
    Durchgeführt wurde das Projekt von zwei Studierenden der Universität Hildesheim, begleitet von einer pädagogischen Fachkraft der Wohngruppe. Dabei wurde gezielt ein vertrauensvoller, diskriminierungssensibler Rahmen geschaffen, in dem persönliche Themen sicher thematisiert werden konnten. Um die individuellen Zukunftsperspektiven möglichst vielfältig sichtbar zu machen, kombinierten wir spielerische, literarische und kreative Methoden: Das „Zukunftsbingo“ stimmte mit einfachen Aussagen auf das Thema ein, anschließend konnten die Teilnehmenden in einem „Brief an mein Zukunfts-Ich“ ihre Hoffnungen, Sorgen und Wünsche aufschreiben oder zeichnen. Die „Talk-Wand“ schließlich sammelte Anliegen, Alltagsstrategien und Veränderungswünsche und schuf eine Gesprächsgrundlage zwischen den jungen Menschen, der Fachkraft und uns Studierenden.


    Was junge Menschen bewegt

    Die Auswertung der Gespräche und Beiträge zeigten ein wiederkehrendes Spannungsverhältnis: Neugier und Zukunftsinteresse stehen neben konkreten Unsicherheiten und Ängsten. Aus dem Zukunftsbingo kam häufiger Zustimmung zu Aussagen wie “Ich möchte später sagen dürfen, was ich denke, ohne dass es komisch ist” oder “Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich anders bin als andere, und das ist okay”. Gleichzeitig fanden sich in den Briefen und an der Talk-Wand klare Sorgen: “Ich habe Angst, älter zu werden” und “Ich mache mir Sorgen, dass ich die dritte Klasse nicht schaffe”. Für viele ist Freundschaft und Musik eine tägliche Stütze. Ein junger Mensch schrieb: “Musik und Freunde helfen mir, wenn’s schwer ist”. Andere formulierten Hoffnungen, die ganz konkret sind, etwa “Ich will später einen Stall mit einem eigenen Pferd” oder “Ich wünsche mir, dass es meinen Eltern besser geht”.

    Diese persönlichen Aussagen verweisen immer wieder auf materielle und infrastrukturelle Bedingungen. Alle Teilnehmenden nannten schlechte Nahverkehrsangebote und eingeschränkte Freizeitmöglichkeiten in ihrer Umgebung. Mehrfach wurde betont, dass die Stadt mehr Chancen zu bieten scheint, weil dort Angebote und Wege besser erreichbar sind. Aus dieser Perspektive erscheinen Forderungen nach finanzieller Sicherheit und verlässlicher Infrastruktur nicht als Luxus, sondern als Voraussetzung dafür, überhaupt an Zukunft denken zu können. Die jungen Menschen formulierten das so: materielle Ressourcen sind nötig, damit man teilnehmen kann.

    Anonymisierte Ideenskizzen von zwei jungen Menschen für den “Brief an mein Zukunfts-Ich” (Fotoquelle: privat)


    Partizipation wurde von den Teilnehmenden nicht als bloße Formulierung verstanden. Viele kritisierten symbolische Beteiligung und forderten ernst zu nehmende Mitsprache. “Wir sollen nicht nur sagen dürfen, was wir mitentscheiden, sondern dass uns auch zugehört wird”, sagte eine Teilnehmender in der Murmelrunde. Die Fachkraft bestätigte diese Einschätzung und wies zugleich auf strukturelle Hürden hin, etwa bürokratische Vorgaben, fehlende Mittel und stigmatisierende Erfahrungen, die echte Teilhabe erschweren..

    Trotz der genannten Einschränkungen zeigen die Beiträge zahlreiche Ressourcen und Selbstwirksamkeitserfahrungen. Kinder und Jugendliche berichteten davon, wie Routinen, kleine Erfolge und soziale Unterstützung helfen, schwierige Situationen zu bewältigen. Einige beschrieben, wie sie Ängste überwunden oder neue Interessen entdeckt haben. Solche Aussagen machen deutlich, dass Resilienz nicht allein individuelle Anpassung bedeutet, sondern oft das Produkt konkreter sozialer Beziehungen und erreichbarer Angebote ist.

    Was bedeuten diese Befunde?

    Die Ergebnisse machen deutlich, dass Hoffnungen und Ängste junger Menschen untrennbar mit strukturellen Rahmenbedingungen verbunden sind. Materielle Unsicherheit, eingeschränkte Infrastruktur und begrenzte Teilhabechancen formen das Zukunftsbild und verstärken bestehende Benachteiligungen.
    Partizipation verliert an Wirksamkeit, wenn die grundlegenden materiellen und räumlichen Voraussetzungen fehlen. Ohne erreichbare Infrastruktur und finanzielle Absicherung bleibt Beteiligung häufig symbolisch. Echte Selbstwirksamkeit entsteht nur dort, wo verlässliche Beziehungen, sichere Orte und ausreichende Ressourcen vorhanden sind.
    Die Stimmen der Teilnehmenden belegen zugleich große Widerstandskraft und formulieren deutlich, welche Veränderungen sie benötigen. Sie zeigen, welche Rahmenbedingungen verändert werden müssen: mehr wirkungsvolle Beteiligungsmöglichkeiten, niedrigschwellige Freizeit- und Begegnungsorte sowie Maßnahmen zur materiellen Absicherung.
    Kurz zusammengefasst bestätigen die Ergebnisse, dass individuelle Förderung und strukturelle Reformen zusammengedacht werden müssen, um Anerkennung, Teilhabe und verlässliche Zukunftsperspektiven für alle jungen Menschen zu ermöglichen.
    Die Projektergebnisse sind weit mehr als Momentaufnahmen individueller Erlebnisse. Sie belegen, dass gesellschaftliche Krisen und soziale Ungleichheit nicht abstrakt sind, sondern die Lebens- und Entwicklungschancen unserer Kinder schon heute massiv beeinflussen. Die Wünsche und Forderungen der jungen Menschen nach Stabilität, Sicherheit, echter Teilhabe und materieller Absicherung markieren den klaren Auftrag an Politik, Fachpraxis und Gesellschaft. Es bedarf grundlegender Veränderungen – im Sinne einer gerechten Verteilung von Ressourcen, der Stärkung sozialer Infrastruktur, der konsequenten Bekämpfung von Armut und der Förderung echter Partizipation. Die nun folgenden Handlungsempfehlungen und Perspektiven für eine gerechtere Gesellschaft leiten sich auch direkt aus diesen empirisch fundierten Erkenntnissen und aus den theoretischen Grundlagen ab.

    Teil 3: Handlungsempfehlungen und Ausblick für eine gerechte Gesellschaft

    Die Notwendigkeit einer gerechten Verteilung von Ressourcen und Lebenschancen

    Bisherige Ansätze behandeln oft nur die Symptome der sozialen Ungleichheit und es fehlt eine deutlich übergreifende kinder- und jugendpolitische Strategie. Dies hat das Sachverständigengremium, welches von der Bundesregierung eingesetzt wurde, um Empfehlungen zur Kinder- und Jugendhilfe und zu Querschnittsfragen der Kinder- und Jugendpolitik zu geben, herausgearbeitet (vgl. Bundesjugendkuratorium 2023, S. 1 f.). Es reicht nicht aus, nur formale Zugänge zu schaffen, denn Teilhabe sollte in sozialer Hinsicht das oberste Gebot sein.
    Um eine solidarische Gesellschaft zu werden, brauchen wir eine langfristige Vision. Wir brauchen präventive Maßnahmen, die Benachteiligung verhindern, und Strukturen, die allen jungen Menschen die Entfaltung ihrer Potenziale ermöglichen. Dies erfordert eine grundlegende Neuausrichtung der Politik.
    Ein ganzheitlicher Ansatz, der verschiedene Bereiche einbezieht, ist zentral, denn junge Menschen haben sehr individuelle Bedürfnisse. Die Politik braucht dafür einen klaren Plan und muss sich um entscheidende Themen wie Bildung, Infrastruktur, Digitalisierung, Kinder- und Jugendhilfe, Armutsbekämpfung und Vielfalt kümmern. Eine grundlegende Neuausrichtung der Politik ist notwendig, um strukturelle Benachteiligungen langfristig abzubauen und echte Teilhabechancen für alle jungen Menschen zu sichern. Dafür braucht es zudem abgestimmte Strategien, die systemisch ineinandergreifen.

    Konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft

    Damit wir die Probleme, die der Bericht zeigt, in den Griff kriegen und eine Kinder- und Jugendpolitik machen, die auch in Zukunft etwas taugt, brauchen wir umfassende Maßnahmen in verschiedenen Bereichen:

    Wir müssen Bildung und frühkindliche Förderung stärken

    Damit soziale Ungleichheiten nicht noch größer werden, muss die Förderung von jungen Menschen in den Bildungsinstitutionen wie Kitas und Schulen verbessert werden. Sie soll überall stattfinden und sich nach den unterschiedlichen Lebensrealitäten und Bedarfen der jungen Menschen richten (vgl. BMFSFJ 2024, S. 12, 500 f.; Deutscher Bundestag 2005, S. 29 ff.).
    Wie im ersten Teil unseres Blogs aufgezeigt wurde, sind gerade Kinder und Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Familien mehrfach belastet – sei es durch fehlende Infrastruktur, eingeschränkten Zugang zu frühkindlicher Bildung oder durch soziale Ausgrenzung. Frühkindliche Förderung kann hier ein entscheidender Hebel sein, um ungleiche Startchancen frühzeitig auszugleichen.
    Neben dem quantitativen Ausbau braucht es jedoch vor allem qualitativ hochwertige Angebote: gut ausgebildetes, divers zusammengesetztes Fachpersonal und bedarfsgerechte Betreuungsschlüssel sind zentrale Voraussetzungen dafür, dass alle Kinder, unabhängig von Herkunft oder sozialem Status, die gleichen Chancen auf Bildung und Teilhabe erhalten (vgl. Huebener et al. 2023, S. 41 ff.).

    Wir müssen uns auch um die soziale Infrastruktur kümmern (vgl. auch BMFSFJ 2024, S. 504 f.)

    Damit Kinder und Jugendliche sich in ihrer Nachbarschaft wohl und sicher fühlen, braucht es Orte zum Spielen, für Sport, Kultur und Begegnung. Darauf verweist unter anderem auch der Fachbeitrag von Katalin Saary und Susanne Fuchs (vgl. 2019; vgl. auch Beierle & Tillmann 2022, S. 46 ff.). Nach dem Leitgedanken „Stadtplanung jung gedacht“ müssen kommunale Bebauungspläne niedrigschwellige, partizipative Orte hinzufügen und das Quartiersmanagement gezielt an den Bedürfnissen junger Menschen ausrichten (vgl. Kaupert 2023).

    Wir müssen die Digitalisierung gerecht gestalten (vgl. auch BMFSFJ 2024, S. 508)

    Digitale Teilhabe ist äußerst wichtig für Bildung, soziale Kontakte und demokratische Beteiligung. Die Politik und die Kommunen müssen nicht nur die nötige Hardware bereitstellen, sondern auch einfach zugängliche Schulungen in Schulen und Jugendzentren anbieten. So können wir gemeinsam die digitalen Räume selbstbestimmt nutzen.

    Wir müssen die Kinder- und Jugendhilfe stärken (vgl. auch BMFSFJ 2024, S. 505 ff.)r müssen Bildung und frühkindliche Förderung stärken

    Die Politik muss die strukturellen Ursachen von Ungleichheit bekämpfen und Teilhabe in allen Politikfeldern verankern. Die Kinder- und Jugendhilfe darf sich nicht nur um die Symptome kümmern, sondern muss aktiv Bedingungen schaffen, damit Kinder und Jugendliche gerecht aufwachsen können. Dafür müssen wir gezielt auf Fachkräfte setzen, ihre Arbeitsbedingungen verbessern und die diversitätsreflexive Kompetenz fördern. So können wir barrierefreie und kultursensible Angebote sicherstellen – insbesondere für junge Menschen mit Flucht – oder Migrationsgeschichte, zugeschriebener Behinderung oder queerer Identität.

    Hier sind ein paar Ideen, wie wir die Armut bekämpfen können

    Armut entsteht durch gesellschaftliche Strukturen und ist kein persönliches Versagen. Deshalb braucht es eine Kindergrundsicherung sowie mehr Investitionen in Bildung und eine bessere Versorgung. Dies ist essenziell, damit alle jungen Menschen genug zu essen, warme Mahlzeiten und Zugang zu außerschulischen Angeboten erhalten können.

    Umgang mit Diversität und Benachteiligung (vgl. auch BMFSFJ 2024, S. 503 f.)

    Vielfalt muss das A und O sein. Inklusion heißt, dass bei der konzeptionellen Planung von Räumen (z.B. barrierefreie Zugänge), Programmen (z.B. Workshops und zielgruppenspezifische Programme) und Fortbildungen (z.B. diskriminierungskritische Qualifizierungsmaßnahmen) unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden müssen. Es sollten diskriminierungskritische Fortbildungen angeboten werden und Räume, in denen sich benachteiligte junge Menschen selbstwirksam einbringen können.

    Eine solidarische Gesellschaft gestalten – alle sind gefragt

    Soziale Gerechtigkeit ist nicht nur eine Aufgabe für die Politik, sondern für die ganze Gesellschaft. Bildungseinrichtungen, Familien, Angebote der Kinder- und Jugendhilfe – alle haben Verantwortung für die Bedingungen, unter denen junge Menschen aufwachsen. Der 17. Kinder- und Jugendbericht fordert deshalb nicht nur strukturelle Reformen, sondern auch eine „Kultur der Anerkennung und Beteiligung“ (vgl. BMFSFJ 2024, S. 501–504). Kinder und Jugendliche müssen mitreden dürfen – nicht nur in Jugendparlamenten oder Beteiligungsprojekten, sondern überall dort, wo über ihr Leben entschieden wird. Eine gerechte Gesellschaft kümmert sich um diejenigen, die Hilfe benötigen, und verleiht ihnen eine Stimme.

    Unsere Schlussfolgerungen und Pläne für die Zukunft

    Die Zukunft junger Menschen ist auch die Zukunft unserer Gesellschaft. Wenn wir eine gerechte Teilhabe ermöglichen wollen, müssen wir die sozialen Rahmenbedingungen grundlegend verändern. Wir brauchen ein starkes Zusammenspiel von Politik, Praxis und Gesellschaft – mit jungen Menschen im Mittelpunkt. Die Ergebnisse unseres Projekts und die Analysen des 17. Kinder- und Jugendberichts zeigen: Teilhabe, Schutz und Förderung dürfen kein Privileg sein – sie sind ein Recht!

    Wir möchten uns von ganzem Herzen bei allen Kindern und Jugendlichen bedanken, die mit uns über ihre Zukunftspläne gesprochen haben. Ein großes Dankeschön geht auch an alle Fachkräfte und Akteur*innen, die sich jeden Tag mit vollem Einsatz für ihre Anliegen einsetzen.

    Setzt Euch aktiv für Kinder und Jugendliche ein, teilt unseren Beitrag und gebt Ihnen eine starke Stimme – so werdet Ihr zum Motor des Fortschritts!

    Literatur

    Andresen, Sabine/ Bellmann, Johannes/ Caruso, Marcelo (2022): Die Corona-Pandemie als pädagogisch relevantes Ereignis? Einleitung in den Thementeil. In: Zeitschrift für Pädagogik, 68. Jg., H. 3, S. 283–289.

    Autor:innengruppe Kinder- und Jugendhilfestatistik (2024): Kinder- und Jugendhilfereport 2024. Eine kennzahlenbasierte Analyse mit dem Schwerpunkt zum Fachkräftemangel. Opladen, Berlin, Toronto: Verlag Barbara Budrich. (Abfrage: 16.06.2025)

    Beierle, Stefanie/Tillmann, Frank/Reißig, Birgit (2016): Abschlussbericht der Studie „Jugend im Blick“ – Regionale Bewältigung demografischer Entwicklungen. Projektergebnisse und Handlungsempfehlungen. München: Deutsches Jugendinstitut. (Abfrage: 27.05.2025)

    Bundesjugendkuratorium (2023): Mehr Kinder- und Jugendpolitik gerade jetzt wagen – Kinder- und jugendpolitische Halbzeitbilanz der Bundesregierung (Halbzeitbilanz 12/2023). Abfrage: 27.05.2025)

    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2024): 17. Kinder- und Jugendbericht: Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Berlin.

    Deutscher Bundestag (2005): Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Zwölfter Kinder- und Jugendbericht. Stellungnahme der Bundesregierung. BT-Drucksache 15/6014. Berlin. (Abfrage: 26.05.2025)

    Gaupp, Nora/ Holthusen, Bernd/ Milbradt, Björn/ Lüders, Christian/ Seckinger, Mike (Hrsg.) (2021): Jugend ermöglichen – auch unter den Bedingungen des Pandemieschutzes. München

    Huebener, Mathias/Schmitz, Simone/Spieß, Katharina/Binger, Lea (2023): Frühe Ungleichheiten – Zugang zu Kindertagesbetreuung aus bildungs- und gleichstellungspolitischer Perspektive. In: FES Diskurs, November 2023. (Abfrage: 16.06.2025)

    Kaupert, Michael (2023): Stadtplanung jung gedacht: Freiräume und Beteiligung. In: jugendgerecht.de.(Abfrage: 26.05.2025)

    Luhmann, Maike/Brickau, Dennis/Schäfer, Benno/Mohr, Paul/Schmitz, Max/Neumann, Annika/Steinmayer, Ralf (2023): Einsamkeit unter Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen nach der Pandemie. Verfügbar unter(Abfrage: 27.05.2025)

    Saary, Kristin/Fuchs, Sarah (2019): Platz zum Wachsen: Stadtgestaltung für Kinder und Jugendliche. In: Kinderfreundliche Kommune.(Abfrage: 13.06.2025)

    Statistisches Bundesamt (2024): Gefährdung durch Armut oder soziale Ausgrenzung: AROPE-Indikator nach Geschlecht und Alter im Zeitvergleich. (Abfrage: 26.05.2025)

    Statistisches Bundesamt (o.J.): Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC). (Abfrage: 07.12.2025)

    Stuttgarter Jugendhaus gGmbH (Hrsg.) (2023): Jugend im öffentlichen Raum. Veränderungen vor und durch die Covid-19 Pandemie, Handlungsempfehlungen für Stadtverwaltung und Jugendarbeit (Abfrage: 28.05.2025)

  • Zwischen Apfelschnitzen und Schokobrötchen: Was das Frühstück in der Kita über soziale Ungleichheit erzählt!

    Zwischen Apfelschnitzen und Schokobrötchen: Was das Frühstück in der Kita über soziale Ungleichheit erzählt!

    Janina Stamme und Lea Frühauf

    Was zeigt ein Frühstück?

    Das Frühstück beginnt, die Brotdosen werden geöffnet, Kinder vergleichen neugierig ihre Frühstücke, teilen oder blicken interessant in die Boxen der anderen. „Was hast du denn heute dabei?“ – eine Frage, die in vielen Kindertageseinrichtungen zum Morgen gehört. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine normale Frühstücksituation in der Kita, doch bei genauerem Hinsehen eröffnet es uns einen tiefen Einblick in gesellschaftliche Ungleichheiten. Denn das, was die Kinder zum Frühstück mitbringen oder auch nicht, ist nicht nur ein Ausdruck individueller Vorlieben oder elterlicher Entscheidungen, sondern steht häufig auch in einem engen Zusammenhang mit sozialen, ökonomischen und kulturellen Lebensbedingungen.

    Zielsetzung des Blogbeitrags

    Der folgende Blogbeitrag greift diese alltägliche Szene auf und setzt sie in Beziehung zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, insbesondere zu den Befunden des 17. Kinder- und Jugendberichts (Deutscher Bundestag 2024). Ziel ist es zu vermitteln, dass Ernährung auch als pädagogisches Handlungsfeld begriffen werden kann, das zur gesellschaftlichen Teilhabe befähigt. Außerdem soll mit dem Thema eine wertfreie und sensible Perspektive auf soziale Ungleichheit entstehen. Die alltägliche Frühstücksituation wird hier nicht als individuelles Konsumverhalten verstanden, sondern als ein sozialer Indikator, der uns erlaubt, über Ungleichheit, Teilhabe und institutionelle Verantwortung nachzudenken.

    Soziale Ungleichheit und Ernährung

    Ernährung und soziale Ungleichheit sind eng miteinander verbunden. Dies ist ein zentrales strukturelles Problem, welches weit über individuelle Konsumentscheidungen hinausgeht. Demnach zählt Ernährung zum wesentlichen Bestandteil materieller Lebenslagen und ist ein Indikator für gesellschaftliche Teilhabechancen. In Deutschland wird meist von relativer Armut gesprochen, dabei wird das Problem der Ernährungsarmut als eine Form der absoluten Armut oft übersehen. Rund ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland (bis zu 2,8 Millionen) leben in Armut. Besonders einkommensschwache Haushalte, Alleinerziehende und kinderreiche Familien sind von steigenden Lebenshaltungskosten für Lebensmittel infolge von Inflation und Krisen betroffen (BMFSFJ 2024). In diesen Familien fehlt es oft an finanziellen Mitteln für eine ausgewogene Ernährung, was mit einem deutlich erhöhten Risiko für körperlichen und psychischen Erkrankungen bei sozial benachteiligten Kindern einhergehen kann (Kruse/Kueß 2022).

    Öffentliche Bildungseinrichtungen fungieren als entscheidende Instanz, um die Folgen sozialer Ungleichheit bei Ernährung abzumildern. Die Verpflegung in Kitas und Schulen wird explizit als „Sicherheitsnetz“ für eine gesunde Ernährung bezeichnet, insbesondere für Kinder aus armutsgefährdeten Haushalten. Während der Corona-Pandemie führte der Wegfall dieses Netzes (Schließung von Kitas, Schule und Tafeln) zu einer massiven Verschärfung der Ernährungsarmut (Deutscher Bundestag 2024). Obwohl das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) die Kosten für das Mittagessen in Kitas und Schulen übernehmen soll, erreicht diese Hilfe viele Bedürftige nicht. Nur etwa 43% der berechtigten Kinder profitieren tatsächlich von BuT-Leistungen. Bei Kindern unter sechs Jahren im SGB-II-Bezug erhalten sogar nur 33% die Mittel für die Mittagsverpflegung. Die Hauptgründe für die mangelnde Nutzung sind vor allem bürokratische Hürden, Intransparenz der Antragswege und mangelnde Informationen. Wenn keine Förderung vorhanden ist, so müssen Familien die Verpflegungskosten (im Schnitt 55 Euro pro Monat) selbst tragen, was für einkommensschwache Haushalte eine erhebliche Belastung darstellt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine ungleiche soziale Lage den Zugang zu gesunder Ernährung massiv einschränkt. Die Kinder- und Jugendhilfe ist gefordert, durch niedrigschwellige Angebote, den Abbau von Bürokratie und die Sicherung qualitativer Verpflegungsstandards für mehr Ernährungsgerechtigkeit zu sorgen (Espenhorst/Meinhold/Schabram 2025).

    Die Kita als Lern- und Lebensraum

    Ziel der Ernährungsbildung in Kitas ist es, Kindern zu vermitteln, auf die Signale ihres Körpers wie beispielsweise Hunger oder Sättigung zu achten und einen selbstbestimmten Umgang mit Essen zu erlernen. Gemeinsame Mahlzeiten in der Kita bieten Bildungsanlässe, fördern das Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe und ermöglichen den Austausch über verschiedene Esskulturen (Niedersächsisches Kultusministerium o. J., S. 25). Besonders für Kinder aus sozial benachteiligten Familien ist dies ein Ort, an dem sie regelmäßig einen Zugang zu ausgewogener Ernährung und einer festen Essstruktur haben. Eine gemeinsame Mahlzeit gilt dabei nicht nur als Versorgungssituation, sondern als sozialer Lernraum. Die Kinder erleben dabei eine Tischgemeinschaft, lernen Rücksichtnahme und können verschiedene Essgewohnheiten beobachten. Gleichzeitig werden Unterschiede aufgrund natio-ethno-kultureller Zugehörigkeit, aufgrund von unterschiedlichen Familienkulturen und sozialen Ungleichheiten sichtbar, etwa in der Auswahl und Fülle der mitgebrachten Brotboxen oder in Essritualen. Diese Vielfalt eröffnet pädagogische Ansatzmöglichkeiten, die Wertschätzung verschiedener Lebensweisen zu stärken und Ausgrenzung vorzubeugen. Ernährungsbildung in der Kita verfolgt somit nicht das alleinige Ziel der Vermittlung von gesundheitsbezogenem Wissen, sondern unterstützt die Entwicklung von Handlungskompetenzen und Selbstbestimmung. Die Kinder sollen darin gefördert werden, eigenständig Entscheidungen hinsichtlich ihres Essverhaltens zu treffen und ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Soziale Ungleichheit macht deutlich, dass Ernährung unter dem Aspekt der Bildungsgerechtigkeit betrachtet werden muss. Gemeinsame Mahlzeiten ermöglichen allen Kindern Teilhabe und unterstützen damit die Chancengleichheit (BZfE 2024, S. 10–11).

    Was bedeutet das für die pädagogische Praxis?

    Für die pädagogische Praxis ergibt sich daraus, Ernährung bewusst als Bildungsfeld zu gestalten. Pädagogische Fachkräfte prägen die Esssituationen durch ihre Handlungen und Haltung. Ein nicht moralisierender, respektvoller Umgang mit vielfältigen Ernährungskulturen ist hier zentral, um Stigmatisierungen vorzubeugen (BZfE, 2024, S.9 ). Durch gemeinsame Mahlzeiten werden vielfältige Ansatzpunkte für pädagogisches Handeln eröffnet. Die Kinder können in ihrer Ernährungskompetenz gefördert werden, indem sie über Lebensmittel sprechen, gemeinsam Essen zubereiten und neue Lebensmittel kennenlernen. Indem die Kinder bei Entscheidungen und bei der Zubereitung der Mahlzeiten miteinbezogen werden, werden sie zudem in ihrer Selbstwirksamkeit und ihren sozialen Fähigkeiten gestärkt (Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung 2025). Gleichzeitig werden Fachkräfte mit Herausforderungen wie Personalmangel, Zeitdruck und institutionellen Vorgaben konfrontiert, was sich auf die Umsetzung von Ernährungsbildung im Kita-Alltag auswirkt. Im 17. Kinder- und Jugendbericht wird darauf hingewiesen, dass die pädagogische Qualität stark von den Rahmenbedingungen abhängt und einzelne Bemühungen nur eingeschränkt wirksam sind, wenn strukturelle Unterstützung fehlt Deutscher Bundestag 2024).

    Kurze Einführung in unser Projekt

    In unserem Projekt untersuchten wir die Frühstückssituation in einer Kindertagesstätte. Unser Ziel bestand darin, anhand der alltäglichen Frühstückssituation zu untersuchen, wie sich soziale Unterschiede sichtbar machen und welche pädagogischen Handlungsmöglichkeiten bestehen. Im Rahmen eines Praktikums, in einem Zeitraum von über sieben Wochen, wurde die Frühstückssituation in einer Kita beobachtet. Wir legten unseren Fokus dabei auf das mitgebrachte Frühstück, den Umgang der Kinder untereinander sowie auf die Reaktionen der pädagogischen Fachkräfte. Ergänzend dazu führten wir regelmäßig Gespräche mit den Fachkräften, um ihre Einschätzung und Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Ernährung zu erfassen. In unserem Projekt ging es nicht darum, die Ernährungsweisen zu bewerten, sondern sie als einen sozialen Indikator zu verstehen. Die theoretischen Grundlagen dafür bildeten unter anderem der 17. Kinder- und Jugendbericht (Deutscher Bundestag 2024).

    Reflexion

    Bei der Durchführung unseres Projekts zeigte sich, wie stark soziale Ungleichheiten im Kita- Alltag präsent sind und wie sie sich in alltäglichen Situationen wie dem Frühstück zeigen. Bereits bei der Projektplanung wurde uns deutlich, dass die Beobachtung der Frühstückssituation besondere Sensibilität voraussetzt. Ernährung gehört zwar zum pädagogischen Alltag, ist jedoch eng mit familiären Lebenslagen, kulturellen Prägungen und gesellschaftlichen Erwartungen verbunden. Dadurch war uns bewusst, dass eine wertfreie und reflektierte Haltung Voraussetzung ist. Unsere eingesetzte Methode, Beobachtung in Verbindung mit Gesprächen mit den Fachkräften, erwies sich als geeignet, um soziale Ungleichheit in Bezug auf Ernährung im Kita-Alltag zu untersuchen. Gleichzeitig zeigte sich eine Herausforderung darin, dass Vergleiche zwischen den Brotdosen schnell mit Bewertungen verbunden sind. Für uns bedeutete dies, unsere Wahrnehmung zu reflektieren und Beobachtungen von Interpretationen zu trennen. Eine weitere Herausforderung bestand darin, einen Ausgleich zwischen Strukturierung und Offenheit zu finden. Einerseits benötigten wir strukturierte Beobachtungskriterien, um systematisch vorgehen zu können, andererseits durften die Situationen nicht künstlich oder kontrollierend wirken. Als besonders wertvoll erwiesen sich in diesem Zusammenhang die Gespräche mit den Fachkräften. Dadurch wurde uns deutlich, dass auch pädagogische Fachkräfte im Alltag zwischen dem Anspruch der Ernährungsbildung und der Achtung familiärer Entscheidungen abwägen müssen. Rückblickend zeigte uns unser Projekt, dass Ernährung in der Kita nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern ein Ausdruck sozialer Ungleichheiten ist und zugleich ein pädagogisches Handlungsfeld. Zudem macht uns die Projektreflexion deutlich, wie wichtig professionelle und wertfreie Handlung ist, um allen Kindern Teilhabe zu ermöglichen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft.

    Literatur

    Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2024): Zur Lage der jungen Generation: Die Jugendbroschüre zum 17. Kinder- und Jugendbericht. Berlin: BMFSFJ (Abruf: 15.06.2026).

    Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) (2024): Den Essalltag mit Kindern gestalten. Ernährungsbildung in der Kindertagespflege. Bonn und Stuttgart: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)/Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (Abruf: 15.06.2026).

    Deutscher Bundestag (2024): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Drucksache 20/12900, 18.09.2024. Berlin (Abruf: 15.06.2026).

    Espenhorst, Niels/Meinhold, Juliane/Schabram, Greta (2025): Ungleichheit von Anfang an. Bericht zu Armut und Kita-Betreuung. Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e. V. (Abruf 15.06.2026).

    Kruse, Michaela/Kueß, Norbert (2022). Eltern stärken und einbeziehen. Nifbe-Beiträge zur Professionalisierung 13. Osnabrück: Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (Abruf 15.06.2026).

    Niedersächsisches Kultusministerium. (o. J.). Die Arbeit mit Kindern unter drei Jahren. Handlungsempfehlungen zum Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder. Hannover. (Abruf: 15.06.2026).

    Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung NRW (2025): Was ist Ernährungsbildung? (Abruf: 15.06.2026).

  • Kinder als Expert*innen in der Kindheitsforschung

    Kinder als Expert*innen in der Kindheitsforschung

    Kindheit neu denken: warum kindliche Perspektiven unverzichtbar sind

    Anonym

    Kinder erleben die Welt anders als Erwachsene – und genau darin liegt ein Wissen, das sich nicht durch fremde Deutungen ersetzen lässt. Soll Kindheit in ihrer Vielfalt verstanden werden, führt deshalb kein Weg daran vorbei, die Perspektiven von Kindern selbst einzubeziehen.

    Kindheit ist und war nie ein neutraler, statischer Abschnitt des Lebens. Wie wir über Kinder sprechen, wie wir sie erforschen und welche Bedeutungen wir ihrem Handeln zuschreiben, findet stets innerhalb von gesellschaftlichen Rahmungen statt. Dies geschah für eine lange Zeit stark erwachsenenzentriert. Dabei galten Kinder maßgeblich als „Werdende“, als noch nicht vollständig entwickelte Individuen, über die zwar gesprochen, aber mit denen kaum gesprochen wurde. Selbst die Forschung reproduzierte dieses Bild. Kinder waren nach diesem Verständnis lediglich Objekte wissenschaftlicher Beobachtung und keine aktiv handelnden Subjekte.

    Erst allmählich setzte sich ein Verständnis dafür durch, dass Kinder nicht nur Gegenstand gesellschaftlicher Ordnungen sind, sondern aktiv an diesen mitwirken. Spätestens mit dem 10. Kinder- und Jugendbericht (BMFSFJ 1998) wurde sichtbar, dass ein grundlegender Perspektivwechsel von Nöten war. Der 17. Kinder- und Jugendbericht (BMFSFJ 2024) betont nun eindrücklich, dass kindliche Wahrnehmungen nicht durch erwachsene Deutungen ersetzt werden können, sondern nur dann tatsächlich sichtbar werden, wenn Kinder auch selbst zu Wort kommen (Heinzel et al. 2012; Mey 2013). Diese Verschiebung markiert eine zentrale Einsicht der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung, nämlich Kinder als Expert*innen ihrer eigenen Lebenswelt anzuerkennen.

    Historische Entwicklungen: Von „Werdenden“ zu „aktiv Handelnden“

    Ein Blick in die Kindheitsforschung der letzten Jahrzehnte zeigt, wie sehr sich die wissenschaftliche Auffassung von Kindheit verändert hat. So begannen seit den 1960er-Jahren verschiedene Disziplinen, das bis dahin dominante Bild vom Kind kritisch zu hinterfragen (BMFSFJ 2024, S. 139 ff.).

    In der Soziologie richtete sich die Kritik vor allem gegen sozialisationstheoretische Modelle, die Kinder ausschließlich als passive Empfänger*innen äußerer Einflüsse begriffen. Folglich traten im Gegenzug neue Perspektiven in den Vordergrund, darunter Konzepte der Ko-Konstruktion und Ko-Produktion, die das aktive Handeln und Mitgestalten von Kindern hervorheben sollten.

    Parallel dazu setzte auch in der Psychologie ein Umdenken ein. Lineare Entwicklungsmodelle, die die kindliche Entwicklung in feste Stufen gliederten, gerieten vermehrt in die Kritik, da sie kaum den individuellen und kontextabhängigen Entwicklungsverläufen gerecht werden konnten. Statt nunmehr von einem einzigen „richtigen“ Entwicklungsweg auszugehen, rückte zunehmend das Verständnis in den Vordergrund, dass Kinder sich unterschiedlich und auf vielfältige Weise entwickeln können.

    In der Erziehungswissenschaft wiederum rückten Fragen nach Macht, Normierung und Kontrolle ins Zentrum der Debatte – insbesondere vor dem Hintergrund der autoritären Erziehungstraditionen des Nationalsozialismus. Es wurde deutlich gemacht, dass Pädagogik nie als neutral betrachtet werden könne und stattdessen gesellschaftliche Vorstellungen von Normalität und Anpassung reproduziere.

    All diese Diskussionen führten dazu, dass sich der Blick auf Kindheit und damit auch auf Kinder grundlegend veränderte. Kinder wurden nicht länger als „noch nicht fertig“ gesehen, sondern als kompetente Akteur*innen, die ihre Welt aktiv mitgestalten (BMFSFJ 2024, S. 139 ff.).

    Kindheit als soziale Kategorie: Rahmenbedingungen

    Überlegungen dazu, was „Kindheit“ überhaupt bedeutet und welche sozialen Bedingungen sie prägen, bilden wesentliche Themen der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung (Heinzel et al. 2012). Diese gehen mit der Einsicht einher, dass Kindheit selbst, als eine gesellschaftlich hervorgebrachte Kategorie zu verstehen sei. Somit ist das, was Kindheit ausmacht und unter Kindheit verstanden wird, stets abhängig von historischen, kulturellen und institutionellen Bedingungen (Heinzel et al. 2012; Nentwig-Gesemann 2024).

    Somit formen soziokulturelle Erwartungen darüber, wann ein Kind „fähig“ oder wann „schutzbedürftig“ ist, institutionelle Praktiken ebenso wie Forschungsperspektiven maßgeblich. Kindheit ist damit kein rein objektiver Entwicklungsabschnitt, vielmehr ist sie geprägt von derzeitigen gesellschaftlichen Normen, Machtverhältnissen und kulturellen Vorstellungen. Folglich sind auch die Handlungsmöglichkeiten von Kindern (bzw. ihre „Agency“) immer an institutionelle und kulturelle Rahmungen gebunden. Daher ist es unverzichtbar, Kinder im Kontext ihrer sozialen Gefüge zu betrachten und einen Blick darauf zu richten, wie sie sich innerhalb dieser Strukturen bewegen, Bedeutungen aushandeln und eigene Perspektiven entwickeln (Nentwig-Gesemann 2024).

    Am deutlichsten wird dieser Perspektivwechsel im Konzept der kindlichen Agency sichtbar. Hiernach werden Kinder sowohl als aktiv, deutungs- wie auch handlungsfähig verstanden (BetzEßer 2016; Bollig/Kelle 2014).

    Für die Kindheitsforschung bedeutet das:

    • Kinder gestalten ihre Lebenswelt aktiv mit;
    • ihre Sichtweisen sind nicht ergänzend zur Erwachsenenperspektive, sondern zentral für das Verständnis ihrer Wahrnehmung;
    • Erkenntnisse über Kindheit entstehen nicht aus erwachsenen Konstruktionen, sondern aus der konkreten Auskunft kindlicher Perspektiven.

    Agency bedeutet jedoch nicht, dass Kinder unbegrenzt handeln können. Ihre Handlungsfähigkeit wird durch gesellschaftliche Strukturen, Erwartungen und Machtverhältnisse stets beeinflusst und zum Teil begrenzt.

    In diesem Zusammenhang ist ebenso zu berücksichtigen, dass Kinder (aus anthropologischer Sicht) in vielen Bereichen weiterhin auf die Unterstützung, Fürsorge und den Schutz Erwachsener angewiesen sind. Ihre natürliche Abhängigkeit von erwachsenen Bezugspersonen (beispielsweise den Eltern) stellt daher eine wesentliche Dimension von Kindheit dar und muss stets bei der Partizipation von Kindern mitgedacht werden (Himmelbach 2013). Damit zeigt sich deutlich, dass Agency und Vulnerabilität nicht voneinander zu trennen sind. Zwar handeln Kinder aktiv, dies jedoch immer innerhalb von Bedingungen, die ihnen sowohl Möglichkeiten eröffnen als auch Grenzen setzen. Dabei bildet genau diese Einsicht einen zentralen Ausgangspunkt für neuere Ansätze der Kindheitsforschung.

    Neuere Entwicklungen: Kinder als zentrale Wissensquelle

    In der Kindheitsforschung lässt sich seit den 2000ern eine deutliche Bewegung hin zu solchen Forschungsdesigns erkennen, die Kinder als essenzielle Wissensquelle begreifen. Ob quantitative Survey-Studien, ethnografische Beobachtungen oder Mixed-Methods-Ansätze, sie alle gründen auf dem Verständnis, dass Kinder selbst Auskunft über ihr Leben geben können. So folgen auch Großstudien wie das DJI-Kinderpanel, AID:A, Children’s Worlds oder die World-Vision-Kinderstudien diesem Anspruch. Sie tragen damit, mit ihrer Repräsentation direkter kindlicher Wahrnehmungen, zu einem umfassenderen Bild kindlicher Lebensrealitäten bei (BMFSFJ 2024, S. 143 ff.). 

    Jedoch bleiben trotz angestrebter Idealer, gewisse Herausforderungen bestehen. Der Zugang zu jungen Kindern, insbesondere derer unter sechs Jahren, stellt weiterhin eine methodische Herausforderung dar (BMFSFJ 2024). Zugleich wächst jedoch das Bewusstsein dafür, dass auch bereits sehr junge Kinder über relevantes Wissen und über differenzierte Ausdrucksformen verfügen, um dieses mitzuteilen.

    Adultismus in Forschungssituationen: Machtverhältnisse sichtbar machen

    Trotz des Anspruchs einer kindzentrierten Forschung ist die Asymmetrie zwischen erwachsenen Forscher*innen und Kindern nicht zu leugnen. Ein problematisches Konzept ist hier der Adultismus, also die Annahme, dass Erwachsene allein aufgrund ihres Alters, Kindern generell überlegen seien (Ritz 2012). Dies zeigt sich beispielsweise in der Abwertung kindlicher Aussagen oder der Erwartungshaltung, Kinder müssten sich sprachlich erwachsen ausdrücken. Dies macht sich über die dominante Position der Forschenden wie auch in standardisierten Deutungsrahmen bermerkbar, die kindliche Interpretationen überlagern (Ritz 2012).

    Eine Forschung, die Kinder als soziale Akteur*innen ernst nimmt und Kindheit als Ergebnis gesellschaftlich gerahmter Praktiken versteht, ist daher grundsätzlich gefordert, kindliche Sichtweisen und Handlungen zum Ausgangspunkt ihres Gegenstandes zu machen. Gerade bei Themen, die explizit die Lebenswelten von Kindern betreffen, ist die Berücksichtigung ihrer Perspektiven nicht nur fachlich sinnvoll, sondern auch ethisch geboten (Reppin 2021). Dies spiegelt sich nicht zuletzt auch rechtlich in der UN-Kinderrechtskonvention wider, in der Kinder als eigenständige Subjekte anerkannt werden und ein Recht auf Meinungsäußerung in allen sie betreffenden Belangen erhalten. Daraus ergibt sich für Erwachsene – und demnach auch für Forscher*innen – die Verpflichtung, ihre Äußerungen wahrzunehmen und ernsthaft in ihre Arbeit einzubeziehen. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Forschung mit Kindern immer auch von Rollenbildern, unterschiedlichen Kommunikationsweisen und bestehenden Machtgefällen beeinflusst wird. Um die Perspektive von Kindern tatsächlich ernst zu nehmen, ist daher eine kontinuierlich reflexive Haltung der Forschenden unverzichtbar (Reppin 2021). Damit stellt sich unmittelbar die Frage, wie Kinder sich überhaupt ausdrücken können und ob bestehende Methoden, diesen Ansprüchen gerecht werden können.

    Methodische Offenheit: Kinder sprechen nicht nur mit Worten

    Eine kindgerechte Forschung erfordert eine Erweiterung gängiger Methoden, da Kinder nicht, wie für Erwachsene üblich, zentral über die Sprache kommunizieren. Um Kindern die Möglichkeit zu bieten, wahrhaftig zu kommunizieren, bedarf es daher an vielfältigeren methodischen Zugängen, beispielsweise durch den Einsatz von kreativen Verfahren wie Zeichnungen, Bewegung, Fotografieren etc. (Nentwig-Gesemann 2024). Eine Forschung, die sich auf sprachdominante Methoden beschränkt, riskiert immer bestimmte Kinder (beispielsweise Schüchterne, weniger Wortgewandte) systematisch auszuschließen (Bollig/Kelle 2014). Wohingegen multimethodische Zugänge einen authentischen Einblick in kindliche Wahrnehmungen, die Anerkennung nonverbaler Ausdrucksformen und die Beteiligung jüngerer oder sprachlich unsicherer Kinder, ermöglichen. Zugleich macht diese methodische Offenheit deutlich, dass Forschung mit Kindern nie nur eine Frage der Methode ist, sondern vor allem eine der eigenen Haltung.

    Forschungsethik als Haltung

    Die Forschungsethik in der Zusammenarbeit mit Kindern, umfasst weit mehr als bloße standardisierte Einverständniserklärungen. Sie umfasst eine innere Haltung der Forschenden, die Kinder ernst nimmt, schützt und nicht überfordert. Kinder müssen in allen Forschungsabläufen altersgerecht informiert, geschützt und ebenso in ihrem Rückzugsrecht gestärkt werden. Dies bedeutet auch, dass nonverbale Ausdrucksformen wie Schweigen, Ausweichen von bestimmten Fragen oder abweisende Körpersprache ernst zu nehmen und nicht als Datenlücke zu werten sind, denn auch dies sind bedeutungsvolle Formen der Mitteilung (Wöhrer et al. 2018).

    Eine forschungsethische Haltung bedeutet des Weiteren, Machtverhältnisse sichtbar zu machen und sich dabei der eigenen Position als Forscher*in bewusst zu sein (Reppin 2021). Statt vorschneller Interpretation oder Bewertung braucht es hier die Bereitschaft dafür, kindliche Äußerungen verstehen zu wollen und sich auf einen unvorhersehbaren, Prozess des Miteinanders einzulassen (Mey 2013; Wöhrer et al. 2018). Nur so können Kinder wirklich aktiv in Forschungsprozesse einbezogen werden und das nicht lediglich als Datenlieferant*innen, sondern als eigenständige, handelnde Subjekte. Nur so entsteht ein Verständnis von Kindheit, das sowohl wissenschaftlich tragfähig als auch sozial verantwortungsvoll ist.

    Der 17. Kinder- und Jugendbericht verdeutlicht, warum kindliche Perspektiven unverzichtbar sind. Kindheit neu zu denken beginnt damit, Kinder nicht nur als Gegenstand von Forschung zu betrachten, sondern ihnen zuzuhören und ihre Sichtweisen ernst zu nehmen – eine Aufgabe, die Wissenschaft, Pädagogik und Gesellschaft gleichermaßen betrifft.

    Literatur

    Betz, Tanja/Eßer, Florian (2016): Kinder als Akteure – Forschungsbezogene Implikationen des erfolgreichen Agency-Konzepts. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung 11, H. 3, S. 241–255.

    Bollig, Sabine/Kelle, Helga (2014): Kinder als Akteure oder als Partizipanden von Praktiken? Zu den Herausforderungen für eine akteurszentrierte Kindheitssoziologie durch Praxistheorien. Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation 34, H. 3, S. 263–279.

    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (1998): 10. Kinder- und Jugendbericht. Bundestags-Drucksache 13/11368. Bonn. https://www.dji.de/veroeffentlichungen/literatursuche/detailansicht/literatur/12719-10-kinder-und-jugendbericht.html (Abfrage: 08.07.2026).

    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2024): 17. Kinder- und Jugendbericht – Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Berlin. www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/17-kinder-und-jugendbericht-244628 (Abfrage: 07.07.2026).

    Heinzel, Friederike/Kränzl-Nagl, Renate/Mierendorff, Johanna (2012): Sozialwissenschaftliche Kindheitsforschung – Annäherungen an einen komplexen Forschungsbereich. In: Theo-Web. Zeitschrift für Religionspädagogik 11, H. 1, S. 9–37.

    Himmelbach, Nicole (2013): Kindheit, Jugend und sozialer Wandel: Gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen für die internationale Kindheits- und Jugendforschung. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung / Discourse. Journal of Childhood and Adolescence Research 8, H. 2, S. 237–241.

    Mey, Günter (2013): „Aus der Perspektive der Kinder“: Ansprüche und Herausforderungen einer programmatischen Konzeption in der Kindheitsforschung. In: Psychologie und Gesellschaftskritik 37, H. 3/4, S. 53–71.

    Nentwig-Gesemann, Iris (2024): Herausforderungen und Methoden der Erforschung von Kinderperspektiven im Rahmen der Kindheitsforschung. In: Schierbaum, Anja/Diederichs, Meike/Schierbaum, Kathrin (Hrsg.): Kind(er) und Kindheit(en) im Blick der Forschung. Kinder, Kindheiten und Kindheitsforschung, Bd. 30. Wiesbaden: Springer VS, S. 225–242.

    Reppin, Jessica (2021): Ankerpunkte, Wegmarken und Herausforderungen einer ethischen Forschung mit Kindern. In: Hedderich, Ingeborg/Reppin, Jessica/Butschi, Corina (Hrsg.): Perspektiven auf Vielfalt in der frühen Kindheit. Mit Kindern Diversität erforschen. 2., durchgesehene Auflage. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt, S. 120–141.

    Ritz, Manuela (2012): Kindsein ist kein Kinderspiel. Adultismus – (un)bekanntes Phänomen. In: Wiener Netzwerk gegen sexuelle Gewalt an Mädchen, Buben und Jugendlichen (Hrsg.): Dokumentation der Fachtagung 2012: Sexuelle Grenzverletzungen unter Kindern – Herausforderungen für die Praxis. www.wienernetzwerk.at/dokumente/Netzwerk_Tagungsdokumentation_2012.pdf (Abfrage: 07.07.2026).

    Wöhrer, Veronika/Wintersteller, Teresa/Schneider, Karin/Harrasser, Doris/Arztmann, Doris (2018): Praxishandbuch Sozialwissenschaftliches Forschen mit Kindern und Jugendlichen. Weinheim und Basel: Beltz Juventa.

  • „Ich darf nicht mal selbst entscheiden, wann ich schlafen gehe!“ – Partizipation im Alltag stationärer Jugendhilfe

    „Ich darf nicht mal selbst entscheiden, wann ich schlafen gehe!“ – Partizipation im Alltag stationärer Jugendhilfe

    WAS HEISST EIGENTLICH MITBESTIMMEN?

    Lilli Mählstädt

    „Ich darf nicht mal selbst entscheiden, wann ich schlafen gehe.“

    Der Satz kam leise – fast beiläufig. Gesagt wurde er von einem Jugendlichen während eines Gruppenabends in einer stationären Jugendhilfeeinrichtung. Und doch blieb er hängen. Nicht, weil es um Schlafenszeiten ging. Sondern weil dieser Satz eine größere Frage aufwarf: Wie erleben junge Menschen Partizipation in einem Alltag, der von Struktur, Schutz und Vorgaben geprägt ist?
    Und: Welche Rolle spielen pädagogische Fachkräfte, wenn es um echte Mitbestimmung geht?

    Demokratiebildung beginnt im Nahraum

    Der 17. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung (BMFSFJ 2024) macht deutlich:

    Demokratiebildung ist mehr als politische Bildung. Sie ist ein sozialpädagogischer Auftrag – und beginnt dort, wo junge Menschen Erfahrungen mit Teilhabe, Mitbestimmung und Verantwortung machen: im Alltag.

    Gerade die stationäre Kinder- und Jugendhilfe wird dabei als zentraler Bildungsraum benannt: Hier treffen junge Menschen auf professionelle Bezugspersonen, strukturierte Tagesabläufe – aber auch auf Regelwerke, institutionelle Grenzen und Hierarchien. Wie viel Mitbestimmung ist hier möglich? Und: Wie viel ist pädagogisch gewollt?

    Einblick ins Projekt: Haltung statt Handlungsanleitung

    Im Rahmen meines Studienprojekts habe ich ein Reflexionsformat mit pädagogischen Fachkräften entwickelt und durchgeführt.

    Ziel
    👉 Haltung zur Partizipation im Heimalltag reflektieren
    👉Spannungsfelder (Schutz vs. Mitbestimmung) sichtbar machen
    👉 Handlungsspielräume identifizieren und erweitern

    Umsetzung
    In einem Workshop arbeiteten wir mit folgenden Bausteinen:
    📌 Alltagsbeispiel: u. a. Schlafenszeiten, Handynutzung, Essensregeln
    📌 Reflexionsfragen: Was dürfen Jugendliche mitbestimmen? Was nicht? Warum?
    📌 Methoden: Rollenspiele, Dilemma-Karten, Perspektivwechsel
    📌 Ziel: Austausch auf Augenhöhe – nicht über Rezepte, sondern über Haltungen

    Stimmen aus dem Projekt

    Eigentlich finde ich Beteiligung total wichtig – aber manchmal fehlt einfach die Zeit, es gut zu machen
    (Teilnehmerin, Erzieherin)

    „Ich merke, dass ich oft entscheide, ohne das als Machtakt zu sehen. Also für die Jugendlichen fühlt es sich so an“
    (Teilnehmer Sozialpädagoge)

    Diese Stimmen zeigen: Es gibt ein Bewusstsein für Beteiligung, aber auch viele Ambivalenzen. Das Spannungsfeld zwischen Verantwortung, Gruppendynamik und institutionellen Anforderungen ist spürbar – und fordert eine kontinuierliche Auseinandersetzung.

    Mitbestimmung ist kein Tool, sondern eine Haltung

    Mitbestimmung wird nicht an Regeln festgemacht – sondern an Beziehungen. Dort, wo Jugendliche sich gehört, gesehen und ernst genommen fühlen, entsteht Teilhabe – selbst wenn nicht alles zur Diskussion steht.

    Der 17. Kinder- und Jugendbericht betont:
    „Kinder und Jugendliche müssen Demokratie als Lebensform erleben – nicht nur als Unterrichtsgegenstand.“
    (BMFSFJ 2024)

    Das gelingt nur, wenn Fachkräfte bereit sind, ihre eigene Haltung zur Beteiligung zu reflektieren. Und wenn sie den Mut haben, Räume zu öffnen, in denen Jugendliche mitentscheiden dürfen – und manchmal auch Widerspruch erleben dürfen.

    👉 Redet mit Jugendlichen über Regeln, nicht nur über Regelbrüche
    👉 Fragt euch öfter: „Muss ich das wirklich alleine entscheiden?“
    👉 Schafft Alltagssituationen, in denen Mitbestimmung nicht nur „erlaubt“, sondern gewohnt wird

    Denn echte Demokratie beginnt dort, wo sie im Alltag eingeübt werden kann. Jeden Tag. Mit jedem Gespräch. Mit jeder Entscheidung.

    Literatur

    Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2024): 17. Kinder- und Jugendbericht – Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Berlin. www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/17-kinder-und-jugendbericht-244628 (Abfrage: 07.07.2026).