Digitale Lebenswelten – Ein Gespräch mit Mädchen und Jungen im Jugendalter in einer Wohngruppe

Charlotte Kersten

Was ist der 17. Kinder- und Jugendbericht?

Der 17. Kinder- und Jugendbericht analysiert auf rund 600 Seiten zu vielen unterschiedlichen Themen die Lage von jungen Menschen in Deutschland. Dazu beschreibt er die Leistungen und die Bestrebungen der Kinder- und Jugendhilfe. Der Bericht erscheint alle vier Jahre. Die neuste Auflage erschien am 18.09.2024. Die Kernbotschaft ist Zuversicht braucht Vertrauen. Dies bedeutet, dass Kinder- und Jugendliche Zuversicht und Vertrauen nur dann erhalten können, wenn die Erwachsenen und die Politik sie dabei unterstützen und Verantwortung übernehmen und ihnen dadurch Vertrauen geschenkt werden kann (vgl. BMBFSFJ 2024).  

Abb. 1: Titelseite BMBFSFJ 2024

Digitalität im 17. Kinder- und Jugendbericht

Der 17. Kinder- und Jugendbericht beschäftigt sich neben vielen anderen Themen auch mit dem Thema Digitalität. Bereits seit dem 12. Kinder. und Jugendbericht wird das Thema Digitalität alle vier Jahre mit einem anderen Fokus in der Berichterstattung behandelt. Daran kann erkannt werden, dass die Digitalisierung als sozialer Wandlungsprozess gesehen wird und somit auch Folgen in der Kinder- und Jugendhilfe hat (vgl. BMFSFJ 2024: S. 275). Der aktuelle Bericht zeigt zum Thema Mediennutzung und zum Onlinehandeln von Kindern und Jugendlichen, dass der Umgang mit Medien für die Mehrheit dieser Altersgruppe alltäglich geworden ist. Er bezieht sich bei seiner Recherche insbesondere auf die sogenannte KIM-Studie aus 2024 (mpfs 2024) Diese konnte empirisch aufzeigen, dass in nahezu allen Haushalten Fernsehgeräte, Smartphones, Computer, sowie Laptops und ein Internetzugang zur Verfügung stehen. Zudem kann im Onlinehandeln beobachtet werden, dass Jugendliche am häufigsten hierzu ihr Smartphone benutzen (vgl. ebd., S. 276). Auch bezieht sich der Bericht auf die JIM-Studie aus 2023 (vgl. mpfs 2023). In dieser wird festgestellt, dass die Onlinenutzungsdauer bei den 12- bis 19-Jährigen im Schnitt im Jahr 2023 bei 224 Minuten pro Tag gelegen hat. Zusätzlich konnte erfasst werden werden, dass die durchschnittliche Onlinenutzungsdauer pro Tag mit steigendem Alter zunimmt. Beliebte Onlineaktivitäten sind bei den Jugendlichen online sein, Musik hören, Internetvideos schauen und digitale Spiele konsumieren. Die wichtigste App bei den befragten Jugendlichen war WhatsApp, danach folgten Instagram, TikTok und YouTube (vgl. BMFSFJ 2024, S. 277).

Auswahl und Kontext für die Auswahl unseres Themas für unser Projekt

Im Kontext unseres Bachelor-Seminars im Studiengang Erziehungswissenschaft mit dem Titel Der 17. Kinder- und Jugendbericht an der Universität Hildesheim hatten wir die Aufgabe, ein Thema im Bericht zu identifizieren, dass uns erstens interessant erscheint und dass zweitens dazu dienen kann, in einem Projekt mit unterschiedlichen Gruppen an Personen aus der Kinder- und Jugendhilfe in Kontakt treten zu können. Gemeinsam in unserer Gruppe haben wir zuerst Themen gesammelt, die uns am meisten interessierten. Recht schnell wurde deutlich, dass wir uns alle vier für das Thema Digitalität interessieren. Dadurch wurde uns deutlich, dass wir in die Richtung Digitalität bei Mädchen und Jungen unser Projekt durchführen möchten und somit begannen wir unser Projekt zu gestalten.

Planung und Durchführung des Projekts

Gemeinsam haben wir zu viert als Gruppe überlegt, wo wir unser Projekt am besten durchführen können. Wir haben uns entschieden, mit Jugendlichen und nicht mit jüngeren Kindern unser Projekt durchzuführen, deshalb sind wir auf die Idee gekommen, unser Projekt in einer Wohngruppe zu gestalten. Zudem dachten wir, dass es bestimmt interessant sei, wenn wir noch den Mitarbeitenden in der Einrichtung Fragen stellen können, um einen anderen Einblick in die Thematik zu bekommen. Durch diese Überlegung fühlten wir uns zusätzlich bestätigt, unser Projekt in einer Wohngruppe durchzuführen. Nach der erfreulichen Zusage einer Wohngruppe haben wir begonnen, Ideen und Fragen für unser Projekt zu entwickeln.

Für die Durchführung unseres Projektes sind wir zu viert als Gruppe zu einer Wohngruppe in der Nähe von Hannover gefahren. In dieser Wohngruppe leben Mädchen und Jungen zusammen. Wir haben mit einer kleinen Vorstellungsrunde begonnen. Nach dieser sind wir mit den Jugendlichen ins Gespräch gekommen. Dieses haben wir mit einer Eröffnungsfrage über das Onlinetool Mentimeter gestartet. Diese lautete:,,Was fällt euch ein, wenn ihr an digitale Medien denkt?“ Insgesamt haben wir mit zwei Mädchen und zwei Jungen aus der Wohngruppe gesprochen. Wir haben die Antworten der Jugendlichen zum Anlass genommen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wir konnten ein gutes Gespräch führen und viele Informationen sammeln. Nachdem wir mit den Jugendlichen gesprochen haben, durften wir unsere Fragen an die Mitarbeitenden stellen. Auch hier haben wir neue Erkenntnisse und Informationen erhalten.


Fragen an die Jugendlichen

  • Wie lange nutzt ihr ungefähr am Tag digitale Medien?
  • Welche Endgeräte nutzt ihr am meisten?
  • Was nutzt ihr? (Welche Apps werden gerne genutzt) → Menti – Abfrage
  • Näher eingehen auf → Was für Inhalte schaut ihr euch in den jeweiligen Apps an?
  • Wenn Bildungsinhalte konsumiert werden → Für was, welche und wie viel?
  • Wenn keine Bildungsinhalte konsumiert werden → Warum benutzt ihr das nicht für Bildungszwecke?
  • Wie ist die Nutzung von digitalen Medien in die Wohngruppe eingebunden? (Alle zusammen oder jeder einzeln)
  • Was wünscht ihr euch im Umgang mit den Medien in der Wohngruppe

Die Erkenntnisse aus dem Gespräch mit den Jugendlichen

Die befragten Jugendlichen gaben an, dass ihre Bildschirmzeit durchschnittlich bei 9 Stunden pro Tag liegt. Bei der Nutzung wurden Endgeräte wie Handy, Tablet und PC am häufigsten genannt. Als wir im Gespräch näher draufeingegangen sind, was sie davon gerne benutzen und welche Inhalte sie sich am meisten anschauen, wurde deutlich, dass die Jungen häufiger den PC benutzen, um online Spiele, wie Fortnite und Minecraft, zu spielen. Bei den Mädchen hingegen konnten wir erkennen, dass sie häufiger soziale Medien, wie Instagram, TikTok und Snapchat oder Apps, wie Pinterest benutzen, um dort Inspirationen für Outfits zu erhalten. Des Weiteren haben wir herausgefunden, dass die Jugendlichen digitale Medien selten zu Bildungszwecken benutzen. Dennoch haben zwei Jugendliche erzählt, dass sie die App Duolingo benutzen, um Sprachen zu lernen. Eine Jugendliche gab an, dass sie politische Inhalte oft über TikTok konsumiert. Sie berichtet auch, dass sie der Tagesschau auf Instagram folgt, um über Aktuelles informiert zu sein. Des Weiteren werden Dokumentationen oder Podcasts genutzt. Dies passiert nach den Aussagen der Jugendlichen meistens spontan, je nachdem, was die befragte Person gerade anspricht. Zudem werden bestimmte Apps, wie ChatGPT oder Google für die Schule genutzt. Außerdem konnten die Jugendlichen uns bestätigen, dass sie digitale Medien lieber zum Entertainen und Spielen benutzen als für Bildungszwecke.

Fazit

Insgesamt zeigt sich, dass alle Jugendlichen, mit denen wir im Gespräch waren, eine hohe Bildschirmzeit aufweisen. Sie weisen sogar eine mehr als doppelt so hohe Bildschirmzeit auf, wie in dem aktuellen Kinder- und Jugendbericht festgestellt wird. Dennoch sollte aber auch bedacht werden, dass das Gespräch in der Wohngruppe nur mit vier Jugendlichen stattgefunden hat und das dies daher nicht repräsentativ ist. Unsere Vermutung, dass Mädchen häufiger in sozialen Medien unterwegs sind und Jungen hingegen lieber online Spiele spielen (umgangssprachlich das sogenannte Zocken), konnte uns von einem Mitarbeiter in der Wohngruppe bestätigt werden. Außerdem konnten wir erkennen, dass die Jugendlichen nicht oft digitale Medien für Bildungszwecke nutzen. Des Weiteren war es sehr interessant, einen Einblick in eine Wohngruppe zu bekommen und um nicht nur zu schauen, was die Jugendlichen für Angaben und Antworten geben, sondern auch, wie sie den Umgang generell mit digitalen Medien in ihrer Wohngruppe finden und was die Mitarbeitenden zu diesem Thema sagen. In der Wohngruppe ist der Umgang so geregelt, dass die Jugendlichen gelegentlich zusammen einen Film schauen. Weitere Regelungen werden individuell festgelegt.  

Wenn du noch mehr darüber lesen willst, was die Mitarbeitenden zu dem Thema Digitalität bei Mädchen und Jungen im Jugendalter gesagt haben, dann schaue dir gerne den Blogbeitrag von Sandy Heller und Sophie Mainka an. Zudem kannst du dich ebenfalls über den Blogbeitrag von Kiara Schulz zum Thema weiter informieren. Mehrere Infos zu dem Thema Digitalität im Jugendalter finden sich im aktuellen Kinder- und Jugendbericht. Viel Spaß beim Lesen!

Literatur

BMBFSFJ (2024): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Verfügbar unter: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmfsj/service/publikationen/17-kinder-und.jugendbericht-244628 (Abfrage: 30.09.2025).

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (2023): JIM-Studie 2024. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart,https://mpfs.de/app/uploads/2024/10/JIM_2023_web_final_kor.pdf (Abfrage: 07.07.2026).

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs) (2024): KIM-Studie 2024. Kindheit, Internet, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger. Stuttgart. https://mpfs.de/app/uploads/2025/05/KIM-Studie-2024.pdf (Abfrage: 07.07.2026).

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: BMBFSFJ (2025): 17. Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die Lage junger Menschen und die Bestrebungen und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe. Verfügbar unter: https://www.bmbfsfj.bund.de/bmfsj/service/publikationen/17-kinder-und.jugendbericht-244628 [Zuletzt abgerufen am: 30.09.2025].

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